Archiv für USA

Zynismus erscheint mir hier als Umschreibung sehr freundlich…

Posted in Und die Regierung schaut nur zu with tags , , on 12. August 2008 by MuGo

Ein alleinstehender amerikanischer Veteran (ohne Eltern und Kinder) kann derzeit bis zu 2527 USD Rente bekommen, wenn er im Krieg verletzt wurde (Quelle). Hierfür bekommt man (trotz mindestens einem lebenden Elternteil und geschiedener Ehe) 1500 USD – wenn man ein nationale Berühmtheit ist und via Fox News auf seinen Fall aufmerksam macht. Zugegeben, Tyler Ziegler ist nicht zu 100% behindert, aber wer sich für sein Land das Gesicht wegschießen lässt, hat doch ein bisschen mehr als einen warmen Handschlag verdient.

(Übrigens ist der Mann bewundernswert – er selber sagt, dass man in seiner Lage es sich nicht erlauben kann, kein Selbsbewusstsein zu haben. Sein Lieblingsanmachspruch ist daher: „Willst du mal das Loch in meinem Kopf sehen?“)

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Democracy In The UK

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , , on 15. März 2008 by MuGo

Wieso sind eigentlich alle überrascht, dass so viele Länder Probleme mit ihrer Demokratisierung haben? Welches Land hatte die denn nicht? Also mir fällt außer den USA grade kein Land an, dass von Anfang an eine stabile Demokratie war. Und das waren die ehemaligen Kolonie der am weitesten demokratisierten Macht zu der Zeit und haben sich wegen fehlender Beteiligung am Regierungsprozess für unabhängig erklärt; mit anderen Worten: Da gab es einfach keinen Nährboden für Diktatoren. Außerdem stellt sich die Frage, ob die USA nicht sogar erst mit der Verwirklichung der Bürgerrechte auch für Schwarze „vollendet“ war.

Wenn jetzt aber der Irak oder Afghanistan (künstliche Länder ohne bisherige demokratischen Phasen) überraschenderweise nicht freudestrahlend Kompromisse eingehen oder ihren Herrschenden vertrauen, tun alle so, als wäre das überraschend.

Auch in Deutschland und Japan ist die Demokratie nicht vom Himmel gefallen. Beide mussten eine Demokratie aufbauen, weil sie dazu gezwungen wurden und es keine Möglichkeit für antidemokratische Gruppierungen gab um sich zu profilieren – dafür haben die Alliierten schon gesorgt. In Deutschland gab es zudem eine damals schon hundertjährige Erfahrung mit Parlamentarismus und genügend Persönlichkeiten aus der Weimarer Republik, die das System tragen konnten. In Japan sah es ein bisschen anders aus, aber diese Defizite merkt man meiner Meinung nach auch im japanischen Parlamentarismus – zumindest erscheint mir das, was man hier mitbekommt, noch undemokratischer als bei uns.

Außerdem: Wenn man sieht, wie sich schon relativ homogene Gesellschaften wie Deutschland und Japan so schwer mit Kompromissen tun – wie soll dann ein Vielvölkerstaat zu vernünftigen Entscheidungen kommen, die zwar nicht von allen getragen, aber zumindest akzeptiert werden?

Egal, was sich jemand wünscht – solange die Leute nicht bemerken, dass eine funktionierende Demokratie mehr Vorteile bringt als ein Diktator aus der eigenen Gruppe, wird doch niemand ernsthaft bereit sein, dem Feind die Macht zu übergeben. Wenn der Irak Glück hat, dann gibt es jetzt eine Phase der Scheindemokratie wie es in Südamerika lange der Fall war – und dort haben sich die Leute letztendlich selbst aus der Scheiße gezogen, weil es sonst ja keinen interessiert hat. Auch wenn Chávez eine verdammte Ausnahme ist: Für die meisten Länder ist eine Diktatur trotzdem inzwischen undenkbar. Wie gesagt: Gebt den Leuten 100 Jahre Zeit zum Üben – und ihr kriegt eure Demokratien!