Archiv für Moral

Der Kommentar zum Kommentar

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , , on 18. September 2007 by MuGo

Eigentlich wollte ich euch darüber berichten, dass ich in Pirna war, wo die schönste Kirche steht, die ich bisher gesehen habe und wie ich danach im Zoo war, der anscheinend der ideale Ort ist, um Single-Mütter kennenzulernen. Aber irgendwie ist das alles Bla-bla, und deswegen kommentiere ich einen Kommentar der Tagesschau. Weiterlesen

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Schuld (nach Celan)

Posted in Poem To A Horse with tags , , , , , , on 6. September 2007 by MuGo

Dieses Gedicht ist eine Adaption von Paul Celans “Todesfuge“, meinem Lieblingsgedicht. Es ist sozusagen meine Position zur Schuldfrage und wie wir mit dem Holocaust umgehen sollten – nicht verdrängen, sondern als Teil unserer Geschichte akzeptieren. Ohne Schuldgefühle, aber mit Respekt vor den Opfern!

SCHULD (NACH CELAN)

Schwere Schuld der Väter wir spüren sie abends
wir spüren sie mittags und morgens wir spüren sie nachts
wir spüren und spüren
sie ließen schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der kennt nicht die Schlangen der denkt
der denkt wenn es dunkelt an Deutschland dein aschenes Haar Margarete
er denkt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Sorgen hinfort
er pfeift sich die Freuden herbei kehrt ein in der Schenke
und denkt sich spielt auf nun zum Tanz

Schwere Schuld der Väter wir spüren dich nachts
wir spüren dich morgens und mittags wir spüren dich abends
wir spüren und spüren
Ein Mann wohnt im Haus der kennt nicht die Schlangen der denkt
der denkt wenn es dunkelt an Deutschland dein aschenes Haar Margarete
Ein Handschuh vom Haar Sulamiths sie ließen schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Er ruft ich wills nicht mehr hören ihr einen ihr anderen singet und spielt
er greift nach dem Büchern in Leinen schließt sie seine Augen sind blau
ich weiß doch schon alles ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf

Schwere Schuld der Väter wir spüren dich nachts
wir spüren dich mittags und morgens wir spüren dich abends
wir spüren und spüren
ein Mann wohnt im Haus dein aschenes Haar Margarete
ein Handschuh vom Haar Sulamiths der kennt nicht die Schlangen

Er ruft spielt süßer die Schuld der Tod war ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht heller die Geigen denn ihre Schuld ist nicht mein
dann habt ihr ein Grab in meinem Herzen da liegt es sich eng

Schwere Schuld der Väter wir spüren dich nachts
wir spüren dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir spüren dich abends und morgens wir spüren und spüren
der Tod ist kein Meister aus Deutschland mehr sein Auge war blau
er traf dich mit bleierner Kugel er traf dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein aschenes Haar Margarete
er denkt immer an euch er schenkt euch ein Grab in seinem Herzen
er kennt nicht die Schlangen und träumet der Tod wär ein Meister aus Deutschland

dein aschenes Haar Margarete
ein Handschuh vom Haar Sulamiths

Falls nochmal jemand fragen sollte, warum ich gegen „ein bisschen Folter“ bin…

Posted in Das große Ganze with tags , , , , on 16. August 2007 by MuGo

José Poblete nehmen die Folterer den Rollstuhl weg, rufen ihn „Kurzer“, wenn er sich auf seinen Beinstümpfen und Händen über den Boden schleift. Sie zwingen ihn zum Oralsex mit einem Mitgefangenen. Immer wieder veranstalten die Polizisten Boxkämpfe unter den Gefangenen. Wer nicht hart genug zuschlägt, wird verprügelt. […] Einmal lässt Julio Simón eine Pyramide aus nackten Leibern bauen. José Poblete muss nach oben klettern, als Pyramidenspitze.
Alle Gefangenen im Olimpo [ein Foltergefängnis in Buenos Aires zu Zeiten der Militärdiktatur, Anm. d. Admin.] werden gefoltert, immer wieder. Manche werden in siedendes Wasser getaucht, danach, wenn die Haut sich ablöst, in ein Güllefass. Alle werden irgendwann nackt mit Kapuze über dem Kopf auf ein metallenes Bettgestell gefesselt und mit einer elektrischen Rute gequält. Die Folterer verbrennen ihnen mit dem Strom Brustwarzen, Achselhöhlen, Gesicht, Genitalien. Einer Schwangeren stecken sie den Stromstab in den Uterus, um den Fötus zu töten. Danach vergewaltigen sie die junge Frau.
[…]
Simón ist bekannt für seine Abneigung gegen die elektrische Rute. Er zieht es vor, seine Opfer mit einer Eisenkette zu verprügeln. Anschließend reibt er ihnen Salz in die Wunden. Einmal schleift er Gertrudis nackt an den Haaren in den Foltersaal.
[…] Als die Misshandlungen brutaler werden, bringt einer der Polizisten ein Schild in der Folterkammer an; mit der Aufforderung, Blut und Schweiß, Urin und Kot ordentlich aufzuwischen: „Bitte hinterlassen Sie Ihren Arbeitsplatz sauber.“
[…] Nachbarn erinnern sich noch Jahre später an die […] Schreie. Einer beschwert sich, er habe mit geschlossenem Fenster schlafen müssen: „So laut haben diese Scheiß-Subversiven gebrüllt.“

(Aus GEO 09/07, „Das gestohlene Mädchen“, S.72)

Gertrudis Hlaczik

Gertrudis Hlaczik, gestorben mit 21 Jahren

José Poblete

José Poblete, gestorben mit 24 Jahren

Julio Simón

Julio Simón, ihr Peiniger, bei seiner Festnahme

Vier Gründe, warum ich Paris Hilton hasse!

Posted in Das große Ganze with tags , , , , on 21. Februar 2007 by MuGo

Okay, nachdem leonope ein Machtwort bei der Sanja gesprochen hat (und sie hat vollkommen Recht: Niemand sollte mit Feuerzeugen abgeworfen werden – auch nicht Paris Hilton), habe ich über Paris Hilton weiter nachgedacht. Erst war ich der Meinung ich sollte leonope widersprechen, weil ich nicht finde, dass es andere Menschen gibt, die sich weitausmehr zu Schulden haben kommen lassen als Paris Hilton. Dann habe ich darüber nachgedacht, warum ich EIGENTLICH widersprechen wollte. Klare Anwort: Weil ich Paris hasse! Und zwar wirklich von tiefstem Herzen. Das finde ich schon seltsam. Normalerweise bin ich niemand, der sich hinstellt und Leute hasst. Ich mag arrogant wirken (und bin es teilweise auch), ich mache manchmal sehr aggressive Sprüche, aber eigentlich nicht weil ich jemanden hasse; sondern weil ich unüberlegt handele. Also habe ich mir Gedanken gemacht, warum ich Paris Hilton hasse. Weiterlesen

Darf man über Hitler lachen?

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , , on 18. Februar 2007 by MuGo

[Nachträgliche Änderungen wurden kursiv gesetzt. – Der Verf.]

Diese Frage geisterte ja in letzter Zeit durch die Medien. Und da ich gerade nichts besseres zu tun habe, werde ich eben schnell meine ureigene Meinung zum Thema abgeben.

Was ist der Sinn eines Witzes? Ganz klar: Abgrenzung vom Thema des Witzes, moralische oder allgemeine Überlegenheit ausdrücken. Klassisches Beispiel: Blondinenwitze. Dadurch, dass er Blondinen lächerlich macht, drückt der Witzeerzähler seine eigene Überlegenheit gegenüber blonden Menschen aus. Ob zu Recht oder nicht ist dabei zweitrangig; in erster Linie geht es einfach darum, dass eigene Selbstbewusstsein aufzupolieren. Zwar gibt es auch andere Witze, aber Hitlerwitze sind an sich immer in dieser Kategorie anzusiedeln. Es geht darum, Hitler lächerlich zu machen, um die eigene moralische und menschliche Überlegenheit darzustellen.

Darf man das? Oder wird man da einem der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte nicht gerecht? Müsste man nicht eigentlich ernst an diese Sache herangehen? Verspottet man die Opfer, wenn man sich über Hitler lustig macht? Weiterlesen

Terroristen über Deutschland!

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , on 14. Januar 2007 by MuGo

Gerade eben fiel mir die Leserbriefseite der Süddeutschen vom Samstag in die Hände. Thema war die leidige Diskussion um den Abschuss von von Terroristen entführten Flugzeugen, der in Deutschland dummerweise durch das Grundgesetz verboten ist.

Unabhängig von der unbedingten Notwendigkeit eines solchen Gesetzes – Wie viele Flugzeuge sind noch einmal nach dem 11.09.01 aus terroristischen Motiven entführt worden? Null? -, übersehen alle Kritiker einen wichtigen Punkt. Aber der Reihe nach…

Erst einmal: Was könnte denn Ziel eines Terroranschlags aus der Luft sein? Es muss etwas prestigeträchtiges und bekanntes sein und möglichst auch viele Tote fordern. Was gibt es da in Deutschland?
Als erstes natürlich die Atomkraftwerke; ich würde sogar noch weiter gehen und auch große Chemiewerke wie Bayer und BASF nennen.
Aber auch die Frankfurter Skyline bietet sich an oder der Reichstag (letzterer setzt aufgrund der geringen Höhe aber schon großes fliegerisches Können vorraus!).
Ein gern genommenes Szenario ist auch der Anschlag auf ein vollbesetztes Fußballstadion; hier müssten besonders Dortmund, München, Berlin und Gelsenkirchen mit ihren modernen Arenen mit großem Fassungsvermögen an ausverkauften Spieltagen bangen, wobei ich nicht bei allen Arenen weiß, ob sie sich gut in einem flachen Winkel anfliegen lassen würden.
Ein seltsamerweise wenig durchgespieltes Szenario ist der unkontrollierte Absturz in einer touristisch interessanten Stadt wie München, Dresden oder Köln. Dabei würden die Terroristen eine Landung über dem Stadtgebiet einleiten, wobei sie zwangsläufig irgendwann mit Gebäuden in Kontakt kämen; dies würde zum Absturz führen und eine Schneise der Zerstörung schlagen bis das Flugzeug irgendwann zum Stillstand käme – gerade in der Münchner Innenstadt würde dies an einem sonnigen Ferientag zu einer beträchtlichen Anzahl an Toten und Verletzten führen.
Was für mich weniger in Frage kommt sind Anschläge auf Hochhaussiedlungen wie Berlin-Lichtenberg, Hamburg-Mümmelmannsberg oder Bremen-Tenever. Diese setzen zwar geringeres fliegerisches Können vorraus, sind aber nicht sonderlich prestigeträchtig, da es sich um Sozialwohnungen handelt.

Was fällt bei diesen Szenarien auf? Die meisten würden sich in Städten ereignen und richtig effektiv wären wohl nur die Anschläge auf die Stadien und die Atomkraftwerke – alle anderen würden sich eher im Bereich der Opferzahlen des 11. Septembers bewegen, wenn nicht sogar nur im dreistelligen Bereich. Behalten wir das im Hinterkopf!

Nehmen wir also an, Terroristen planten tatsächlich einen Anschlag mit dem Flugzeug. Sie schaffen es durch die Sicherheitskontrollen und gelangen an Bord. Dort bringen sie das Cockpit unter ihre Kontrolle und ändern den Kurs.
Hier beginnt schon das erste Problem für die Bodenkontrolle: Handelt es sich bei der Entführung um einen geplanten Terroranschlag oder um die Tat eines Verwirrten, der dem Piloten verbietet, mit der Flugsicherung Kontakt aufzunehmen. Beides ist in etwa gleich unwahrscheinlich. Der Logik eines Flugzeugabschussgesetzes folgend muss Letzteres und der damit verbundene enstehende Kollateralschaden vernachlässigt werden – was nützt ein solches Gesetz, wenn man nicht schnell handeln kann, weil man erst das Ziel des entführten Flugzeugs ermitteln muss? Genau: nichts.
Die Bundesregierung wird also informiert, die der nächsten Bomberstaffel, die immer ein oder mehrere Jets für diesen Fall bereit halten muss, den Befehl gibt, das Flugzeug zu verfolgen. Sagen wir, dass das ganze 20 Minuten dauert, weil alles reibungslos und schnell geht und es an keiner Stelle zu Verzögerungen kommt. 30 Minuten nach der Kursänderung wird das Flugzeug also von zwei Jets verfolgt, die es jederzeit abschießen können.
Glücklicherweise haben die Terroristen, obwohl Deutschland ein kleines Land ist, ihr Ziel noch nicht erreicht. Ihr Flugzeug fliegt weiterhin, sagen wir, in Richtung Berlin. Noch kann man sich nicht ganz sicher sein, ob es sich wirklich um Terroristen handelt. Doch der Jetpilot muss jetzt handeln: In wenigen Minuten wird das Berliner Stadtgebiet erreicht! Würde er das Flugzeug erst dort zerstören müsste man mit hunderten Toten rechnen, die von Trümmerteilen erschlagen oder durch nach dem Einschlag erfolgten Explosionen und Bränden verbrannt wurden; der erhoffte Nutzen wäre also ad absurdum geführt worden. Der Pilot zögert noch kurz, löst dann aber doch den Feuerknopf aus. Leider wird das Flugzeug nicht richtig getroffen, sondern nur ein Flügel abgeschossen. In einem riesigen Feuerball fliegt die Maschine auf die Erde – und genau in eine Kleinstadt, die sich dort zufälligerweise befindet. Der vereitelte Terroranschlag kostet im Endeffekt immer noch Hunderten das Leben und zerstört anderen die Existenz.

Unrealistisch? Nicht unbedingt; Deutschland ist eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt und zumindest im Westen extrem zersiedelt – die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ort von Trümmerteilen in Mitleidenschaft gezogen wird ist riesig. Vor allem wenn man bedenkt, dass aufgrund der geringen Flugzeiten innerhalb Deutschlands die Flugzeuge erst ziemlich spät und wohl mithin schon im Speckgürtel der anvisierten Stadt zerstört werden könnte.

Was ist aber mit den Atomkraftwerken? Sicher, so würde sich z.B. Krümmel durch seine Nähe zu Hamburg als geeignetes Ziel anbieten (von den Folgen ganz zu schweigen, egal bei welchem AKW). Dennoch könnte ein Flugzeug mit großer Wahrscheinlichkeit in ländlichem Gebiet „entsorgt“ werden. Wieso sollte es dann nicht die Möglichkeit geben, das Flugzeug abzuschießen? Aus zwei Gründen: Erstens weil eine große Wahrscheinlichkeit immer auch eine kleine Wahrscheinlichkeit fürs Gegenteil beinhaltet.
Und zweitens? Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Jeder Mensch hat ein Anrecht darauf, dass ihn der Staat vor Gewalt schützt. Wenn der Staat aber beschließt, dass er bestimmte Menschen nicht mehr schützt und im Gegenteil ihren Tod billigend in Kauf nimmt, kann der Bürger nicht mehr in den Staat vertrauen; er ist Willkür ausgesetzt und muss jederzeit damit rechnen, dass ihn der Staat ohne Vorankündigung und Begründung töten kann – einfach, weil der Staat es für nötig hält. Und dies darf NIE passieren!

Es geht nicht so sehr darum, ob es nicht gerechtfertigt ist, einen Super-GAU (und den damit verbundenen Tod tausender, eventuell sogar Millionen von Menschen) zu verhindern, indem er einige Hundert opfert. Eine Rechtfertigung ist das sicherlich, im Endeffekt geht es ja auch mehr um die Frage, ob sie moralisch sauber ist. Und hier sage ich definitiv: Nein!
Wenn man ein solches Gesetz umsetzen würde, würde man einer staatlichen Stelle die Macht geben, über den Tod seiner Bürger zu entscheiden. Diese Machtfülle steht dem Staat aber nicht zu. Mag sie in diesem speziellen Fall auch noch so sehr einleuchten: Im Endeffekt würde dieses Gesetz auch die Todesstrafe oder die Folter wieder ermöglichen. Nicht sofort, aber längerfristig gesehen sehr wohl – schließlich kann man niemandem erklären, warum der Staat nicht töten soll, wenn er doch sogar den Tod erwiesenermaßen Unschuldiger billigend in Kauf nimmt.

Natürlich kann niemand ernsthaft in Zweifel ziehen, dass der Staat im Zweifelsfall die bessere Entscheidung trifft, wenn er ein Flugzeug abschießt, bevor er es in ein AKW fliegen lässt. Aber er darf dies nicht aufgrund von Gesetzen. Soviel sollte uns ein Mensch noch wert sein, dass wir ihm nicht wegen einer so lächerlich unwahrscheinlichen Bedrohung wie einem terroristischen Anschlag aus der Luft das Recht auf Leben absprechen!