Archiv für Deutschland

Democracy In The UK

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , , on 15. März 2008 by MuGo

Wieso sind eigentlich alle überrascht, dass so viele Länder Probleme mit ihrer Demokratisierung haben? Welches Land hatte die denn nicht? Also mir fällt außer den USA grade kein Land an, dass von Anfang an eine stabile Demokratie war. Und das waren die ehemaligen Kolonie der am weitesten demokratisierten Macht zu der Zeit und haben sich wegen fehlender Beteiligung am Regierungsprozess für unabhängig erklärt; mit anderen Worten: Da gab es einfach keinen Nährboden für Diktatoren. Außerdem stellt sich die Frage, ob die USA nicht sogar erst mit der Verwirklichung der Bürgerrechte auch für Schwarze „vollendet“ war.

Wenn jetzt aber der Irak oder Afghanistan (künstliche Länder ohne bisherige demokratischen Phasen) überraschenderweise nicht freudestrahlend Kompromisse eingehen oder ihren Herrschenden vertrauen, tun alle so, als wäre das überraschend.

Auch in Deutschland und Japan ist die Demokratie nicht vom Himmel gefallen. Beide mussten eine Demokratie aufbauen, weil sie dazu gezwungen wurden und es keine Möglichkeit für antidemokratische Gruppierungen gab um sich zu profilieren – dafür haben die Alliierten schon gesorgt. In Deutschland gab es zudem eine damals schon hundertjährige Erfahrung mit Parlamentarismus und genügend Persönlichkeiten aus der Weimarer Republik, die das System tragen konnten. In Japan sah es ein bisschen anders aus, aber diese Defizite merkt man meiner Meinung nach auch im japanischen Parlamentarismus – zumindest erscheint mir das, was man hier mitbekommt, noch undemokratischer als bei uns.

Außerdem: Wenn man sieht, wie sich schon relativ homogene Gesellschaften wie Deutschland und Japan so schwer mit Kompromissen tun – wie soll dann ein Vielvölkerstaat zu vernünftigen Entscheidungen kommen, die zwar nicht von allen getragen, aber zumindest akzeptiert werden?

Egal, was sich jemand wünscht – solange die Leute nicht bemerken, dass eine funktionierende Demokratie mehr Vorteile bringt als ein Diktator aus der eigenen Gruppe, wird doch niemand ernsthaft bereit sein, dem Feind die Macht zu übergeben. Wenn der Irak Glück hat, dann gibt es jetzt eine Phase der Scheindemokratie wie es in Südamerika lange der Fall war – und dort haben sich die Leute letztendlich selbst aus der Scheiße gezogen, weil es sonst ja keinen interessiert hat. Auch wenn Chávez eine verdammte Ausnahme ist: Für die meisten Länder ist eine Diktatur trotzdem inzwischen undenkbar. Wie gesagt: Gebt den Leuten 100 Jahre Zeit zum Üben – und ihr kriegt eure Demokratien!

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Ich war im Kindergarten – und meine Eltern lieben mich trotzdem!

Posted in Das große Ganze with tags , , , on 13. Oktober 2007 by MuGo

Manchmal schreibt man Kommentare, die es wert sind, dass sie zu einem Artikel werden. So geschehen mit diesem Kommentar zu Konnas Beitrag „Die Leiden der Eva Hermann oder Staat vs. Kinder„. Das ganze lag mir sowieso auf der Seele und ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, daraus einen Post zu basteln. Nun passiert es also doch, wenn auch über einen Umweg. Ich bitte darum, den Beitrag ebenfalls zu lesen, schon allein wegen der Diskussion (besonders der Beitrag von Katja) und auch, weil ich das Ganze umarbeiten muss, damit es auch ohne Konnas Artikel verständlich wird. Das Original zu kennen ist aber nie verkehrt und sich mehrere Meinungen anzuhören erst recht nicht!

Ich werfe Eva Hermann nicht vor, dass sie Naziideologien verbreiten möchte oder ähnliches. Ich habe das Transskript der Kerner-Sendung gelesen und es geht klar hervor, dass dies nicht von ihr beabsichtigt war und sie sich einfach nur falsch ausgedrückt hat. Ihr Problem besteht darin, dass sie behauptet, falsch zitiert worden zu sein, obwohl es bei der von ihr benutzten Formulierung keine andere Möglichkeit gab, als das Zitat dahingehend zu interpretieren, dass sie der Familienpolitik der Nazis hinterhertrauert. Wer sich danach nicht hinstellen und sagen kann: „Es tut mir Leid, ich habe totalen Blödsinn gesagt, denn es klingt nun als würde ich die Nazis vermissen; dabei wollte ich darauf hinweisen, dass die Nazis den Begriff pervertiert haben und er deswegen von den 68ern abgelehnt wird.“ (zumindest entnehme ich diese Position ihrem Auftritt bei Kerner), ist selber Schuld. Wer stattdessen sogar eine „gleichgeschaltete Presse“ herbeifabuliert, die im Sinne der 68er berichtet (bei Welt und FAZ wird man kräftig gelacht haben), dem ist nicht mehr zu helfen…

Nein, ich werfe Eva Hermann was anderes vor: Sie behauptet einfach, dass jemand, der Kinderbetreuung in fremde Hände gibt, grundsätzlich falsch handelt. Das ist genauso dämlich, wie jemandem, der sich um Kinder kümmert, vorzuwerfen, sie (oder er) würde sich nach Volk und Führer zurücksehnen – was ja im Endeffekt die extreme Gegenseite ist.

Meine Eltern haben noch studiert, als ich geboren wurde. Von Anfang an wurde ich also nicht nur von meinen Eltern, sondern auch von meinen Großeltern und der Kinderkrippe der Universität betreut. Später, als meine Eltern selbstständig waren, bin ich zwar nach Kindergarten und Grundschule ins Café meiner Eltern gegangen, doch ab der 5. Klasse ging ich in Oldenburg zur Schule und bin danach immer direkt nach Hause gefahren, wo ich an den Nachmittagen mich selbst organisieren musste. Mich hat dies nie gestört und ich glaube auch nicht, dass ich deswegen irgendwelche Defizite (menschlich oder erzieherisch) gegenüber anderen Menschen mit Vollzeitelternteil habe – ich habe aber auch keinerlei Vorteile! Es war einfach nur die für mich und meine Eltern beste Lösung. Ich hätte mich gegen eine permanente Betreuung gewehrt und meine Eltern lieben (und liebten) ihre Arbeit genausosehr wie mich. Beide haben den für sie richtigen Weg eingeschlagen und ich musste nicht darunter leiden – das ist doch toll!

Deswegen fordere ich von Eva Hermann: Es ist super, dass Sie den für Sie besten Weg gefunden haben, sich um ihr Kind zu kümmern; es ist schade, dass Sie deswegen angefeindet werden. Aber trotzdem müssen wir jetzt nicht plötzlich alles umdrehen und Frauen verbieten, Kinder zu bekommen und dennoch zu arbeiten. Denn ich, meine Eltern und auch viele andere Leute wollen genau dies nicht.

Jetzt kann man fragen: Wie sehr liebt man denn ein Kind, wenn man es nicht einmal selbst betreuen will, sondern es den Tag über irgendwo abgibt? Gute Frage. Aber es gibt eben auch die Gegenfrage: Ist es Liebe, sich selbst aufzugeben und etwas zu machen, auf das man keine Lust hat, nur weil man jemandem etwas vorspielen möchte, was man selbst gar nicht will? Und das wäre der Fall gewesen, wenn meine Mutter sich allein mir gewidmet hätte – sie wäre da gelandet, wo sie nie hinwollte. Aber einen Beruf, der ihr Spaß macht und sie ausfüllt, den hat sie gewollt – und dabei wunderbar das Spagat zwischen Kind und Karriere gemeistert. Ich mache meiner Mutter keinerlei Vorwürfe, sondern bin ihr dankbar, dass sie sich immer um mich gekümmert hat und für mich da war.

Und jetzt kommt ein Punkt, der meiner Meinung nach in der ganzen Situation zu kurz kommt: Ich bin ein Einzelkind – und ein Kind macht weniger Arbeit als zum Beispiel sieben. Das ist einfach so. In der ganzen Familiendiskussion wird aber einfach ausgeblendet, dass heutzutage kaum noch jemand mehr als zwei Kinder hat. Zum Beispiel Eva Hermann, die nur einen Sohn hat – und damit typisch für die Frauen ihrer Generation ist; eine Generation, in der Akademikerinnen mit Vierzig nur ein Kind bekommen und sich dann zu Full-Time-Müttern entwickeln. Aber gerade diese Frauen sind es, die nun für die Familie sprechen und den Weteverlust in dieser Hinsicht beklagen. Und da frage ich mich: Wie kann das sein? Eine Familie besteht aus mehr als Mutter und Kind. Warum versuchen solche Frauen, etwas einzuklagen, was eigentlich Frauen wie unserer Bundesfamilienministerin zustehen sollte: Das Recht, sich um die eigenen Kinder zu kümmern und dennoch als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft akzeptiert und geachtet zu werden.

Ich habe Vorurteile und diese beeinflussen natürlich meine Meinung. Und eines dieser Vorurteile ist: Einzelkinder mit Vollzeitmutter sind verzogene Arschlöcher. Dafür können diese Kinder nichts – sie sind schließlich entsprechend erzogen worden! Wenn die ganze Zeit jemand um einen herum schawenzelt, muss man ja glauben, dass man der Mittelpunkt des Universums ist. Und wenn man nie einen Kindergarten besucht und nach der Schule gleich wieder in die Rundum-Sorglos-Welt der sich kümmernden Mutter entlassen wird, dann kann man nie lernen, Konflikte auszuhalten, soziales Fehlverhalten zu korrigieren, auch einmal zurückzustecken. Denn wenn es Probleme kommt Mama und steht uns bei. Das kann’s nicht sein! Der Mensch ist nunmal ein Herdentier und deswegen müssen wir lernen, in der Gesellschaft bestehen zu können. Denn das Problem von Herden ist, dass man schnell ausgeschlossen werden kann und alleine dasteht.

Man merkt: Ich störe mich nicht an Großfamilien – ich störe mich an verzogenen Einzelkindern und daran, dass es derzeit eine Gruppe von Frauen gibt, die das Großziehen von sozialen Krüppeln zu ihrem Lebensinhalt stilisiert. Das wird schon gar nicht besser, wenn sie dafür das Bild der heilen Großfamilie besetzen und Frauen wie Ursula van der Leyen, die wirklich respektabel den Spagat zwischen Familie und Beruf schaffen und sich dabei auch noch offensichtlich selbst verwirklichen, als Monster darstellen, die ihre Kinder seelisch vergewaltigen!

Kinderbetreuung kann ausfüllend sein, keine Frage, aber kein Kind, das nicht schwerstbehindert ist, braucht eine 24-Stunden-Betreuung!

Reden wir noch über ein anderes Thema: Geld als Unterstützung vom Staat. Es ist ja anscheinend inzwischen Konsens, dass Kinder nur geboren werden, wenn der Staat Betreuungsplätze und Geld als Gegenleistung bietet. Wieso dann schon vor dem Zweiten Weltkrieg Kinder geboren wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, aber man kann ja auch nicht alles wissen…

Was ist das für ein seltsamer Ansatzpunkt? Gibt es wirklich jemanden, der sich hinsetzt, herumrechnet und dann sagt: „Ja, Schatz, wir können uns ein Kind leisten, du brauchst es doch nicht abtreiben!“ Ich kann es mir nicht vorstellen – und wenn doch, ist es für das Kind besser, nicht geboren worden zu sein. Das muss ja schrecklich sein, wenn die Eltern im Kopf immer mitrechnen, wieviel sie ihr Kind denn schon gekostet hat.

Wenn meine – imaginäre – Freundin heute kommen würde und mir sagt, dass sie schwanger sei, dann würde ich doch nicht sagen “Hui, da muss ich jetzt ja erstmal berechnen, wieviel Kindergeld und Elternbeihilfe und Bafög uns da zusteht und ob wir uns das leisten können!” sondern: Will ich ein Kind? Will ich jetzt ein Kind? Mit dieser Frau? Kann ich mich, können wir uns darauf einlassen? Was will meine Freundin?

Und dieses fragen, die müssen meiner Meinung nach das Entscheidende sein. Dann gibt es halt kein Elterngeld! Wenn ich das Kind liebe und haben will, dann geht das schon irgendwie – bei meinen Eltern ging es ja auch! Und das würde ich mir für Deutschland wünschen – dass Kinder endlich wieder als was Freudiges angesehen werden und nicht als ein weitere Posten in der Kosten-Nutzen-Rechnung!

Bei Konna habe ich sogar die These aufgestellt, dass wir ganz ohne Kindergeld besser dastehen würden. Und ja, ich glaube es wirklich! Vielleicht würden sogar noch weniger Kinder geboren als bisher – aber diese würden geliebt werden und durch die Bank Wunschkinder (das muss ja nicht heißen, dass sie geplant waren). Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass ich den demografischen Wandel als weniger dramatisch als gedacht empfinde und denke, dass sich das Problem von selbst lösen wird – durch sinkende Lebenserwartung und Zuwanderung.

Zwar mag es stimmen, dass es Menschen gibt, die sich wegen des Geldes gegen Kinder entscheiden; doch dazu folgende Beobachtung: In Oldenburg waren die Mütter unter Dreißig vom Aussehen her fast immer der Unterschicht zuzuordnen. Mit anderen Worten: Frauen, die eindeutig nicht arbeiten und teilweise aussahen, als ob sie sich nicht wirklich sicher sein konnten, ob beide Kinder vom gleichen Vater stammen.
Ganz anders Dresden: Nicht nur, dass die TU als die kinderfreundlichste Universität Deutschlands gilt – hier sehe ich erstens viel mehr Mütter unter Dreißig und zweitens viel mehr Studentinnen und Angestellte mit kleinen Kindern. Es ist doch komisch, dass ausgerechnet in einem Bundesland, indem es jahrzehntelang ganz selbstverständlich Einrichtungen gab, die die Kinderbetreuung für arbeitende Frauen übernahmen, soviel mehr junge Eltern gibt, als in solchen, in denen die Familie noch hochgehalten wird, wie z.B. Bayern…

Der Migrant in mir

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , , , on 10. Juli 2007 by MuGo

Durch Zufall bin ich beim Paule (und nein, ich werde jetzt nicht verlinken, denn wer den Paul nicht kennt, braucht diesen Blog auch nicht zu lesen) mal wieder auf ein für mich faszinierendes Phänomen gestoßen. Wo genau spielt keine so große Rolle, aber wen es interessiert…

Um was geht es? Um den Glauben an den Volksdeutschen, der durch seine Herkunft Deutscher ist und sich somit vom Deutschen erster Generation unterscheidet, dessen Eltern aus der Türkei eingewandert sind und der nur durch die neue Gesetzgebung zur Staatsbürgerschaft in den Genuss des permanenten Aufenthaltsrechts gekommen ist.

Nun gut, ich denke, dass wir alle keine Probleme haben, letztere Person als einen Deutschen „mit Migrationshintergrund“ einzuordnen und einen Emsländer, dessen Vorfahren seit 900 Jahren immer auf dem selben Hof gesessen haben als einen „echten“ Deutschen. Aber was ist mit den Leuten dazwischen, was ist mit mir? Weiterlesen

Verbietet „GTA: Mecklenburg-Vorpommern“!!!

Posted in Und die Regierung schaut nur zu with tags , , , , on 16. Januar 2007 by MuGo

Neues zu unseren beiden Mörder-Freunden aus Tessin/Meck-Pom! Wie die Süddeutsche mir heute morgen beim Frühstück mitteilte, munkelt man, dass die beiden „Killerspiele“ konsumiert haben sollen!

Was für ein Glück, jetzt wissen wir wenigstens, wer Schuld hat. Und ich dachte schon, dass da irgendetwas in der Gesellschaft nicht stimmen würde…

Terroristen über Deutschland!

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , on 14. Januar 2007 by MuGo

Gerade eben fiel mir die Leserbriefseite der Süddeutschen vom Samstag in die Hände. Thema war die leidige Diskussion um den Abschuss von von Terroristen entführten Flugzeugen, der in Deutschland dummerweise durch das Grundgesetz verboten ist.

Unabhängig von der unbedingten Notwendigkeit eines solchen Gesetzes – Wie viele Flugzeuge sind noch einmal nach dem 11.09.01 aus terroristischen Motiven entführt worden? Null? -, übersehen alle Kritiker einen wichtigen Punkt. Aber der Reihe nach…

Erst einmal: Was könnte denn Ziel eines Terroranschlags aus der Luft sein? Es muss etwas prestigeträchtiges und bekanntes sein und möglichst auch viele Tote fordern. Was gibt es da in Deutschland?
Als erstes natürlich die Atomkraftwerke; ich würde sogar noch weiter gehen und auch große Chemiewerke wie Bayer und BASF nennen.
Aber auch die Frankfurter Skyline bietet sich an oder der Reichstag (letzterer setzt aufgrund der geringen Höhe aber schon großes fliegerisches Können vorraus!).
Ein gern genommenes Szenario ist auch der Anschlag auf ein vollbesetztes Fußballstadion; hier müssten besonders Dortmund, München, Berlin und Gelsenkirchen mit ihren modernen Arenen mit großem Fassungsvermögen an ausverkauften Spieltagen bangen, wobei ich nicht bei allen Arenen weiß, ob sie sich gut in einem flachen Winkel anfliegen lassen würden.
Ein seltsamerweise wenig durchgespieltes Szenario ist der unkontrollierte Absturz in einer touristisch interessanten Stadt wie München, Dresden oder Köln. Dabei würden die Terroristen eine Landung über dem Stadtgebiet einleiten, wobei sie zwangsläufig irgendwann mit Gebäuden in Kontakt kämen; dies würde zum Absturz führen und eine Schneise der Zerstörung schlagen bis das Flugzeug irgendwann zum Stillstand käme – gerade in der Münchner Innenstadt würde dies an einem sonnigen Ferientag zu einer beträchtlichen Anzahl an Toten und Verletzten führen.
Was für mich weniger in Frage kommt sind Anschläge auf Hochhaussiedlungen wie Berlin-Lichtenberg, Hamburg-Mümmelmannsberg oder Bremen-Tenever. Diese setzen zwar geringeres fliegerisches Können vorraus, sind aber nicht sonderlich prestigeträchtig, da es sich um Sozialwohnungen handelt.

Was fällt bei diesen Szenarien auf? Die meisten würden sich in Städten ereignen und richtig effektiv wären wohl nur die Anschläge auf die Stadien und die Atomkraftwerke – alle anderen würden sich eher im Bereich der Opferzahlen des 11. Septembers bewegen, wenn nicht sogar nur im dreistelligen Bereich. Behalten wir das im Hinterkopf!

Nehmen wir also an, Terroristen planten tatsächlich einen Anschlag mit dem Flugzeug. Sie schaffen es durch die Sicherheitskontrollen und gelangen an Bord. Dort bringen sie das Cockpit unter ihre Kontrolle und ändern den Kurs.
Hier beginnt schon das erste Problem für die Bodenkontrolle: Handelt es sich bei der Entführung um einen geplanten Terroranschlag oder um die Tat eines Verwirrten, der dem Piloten verbietet, mit der Flugsicherung Kontakt aufzunehmen. Beides ist in etwa gleich unwahrscheinlich. Der Logik eines Flugzeugabschussgesetzes folgend muss Letzteres und der damit verbundene enstehende Kollateralschaden vernachlässigt werden – was nützt ein solches Gesetz, wenn man nicht schnell handeln kann, weil man erst das Ziel des entführten Flugzeugs ermitteln muss? Genau: nichts.
Die Bundesregierung wird also informiert, die der nächsten Bomberstaffel, die immer ein oder mehrere Jets für diesen Fall bereit halten muss, den Befehl gibt, das Flugzeug zu verfolgen. Sagen wir, dass das ganze 20 Minuten dauert, weil alles reibungslos und schnell geht und es an keiner Stelle zu Verzögerungen kommt. 30 Minuten nach der Kursänderung wird das Flugzeug also von zwei Jets verfolgt, die es jederzeit abschießen können.
Glücklicherweise haben die Terroristen, obwohl Deutschland ein kleines Land ist, ihr Ziel noch nicht erreicht. Ihr Flugzeug fliegt weiterhin, sagen wir, in Richtung Berlin. Noch kann man sich nicht ganz sicher sein, ob es sich wirklich um Terroristen handelt. Doch der Jetpilot muss jetzt handeln: In wenigen Minuten wird das Berliner Stadtgebiet erreicht! Würde er das Flugzeug erst dort zerstören müsste man mit hunderten Toten rechnen, die von Trümmerteilen erschlagen oder durch nach dem Einschlag erfolgten Explosionen und Bränden verbrannt wurden; der erhoffte Nutzen wäre also ad absurdum geführt worden. Der Pilot zögert noch kurz, löst dann aber doch den Feuerknopf aus. Leider wird das Flugzeug nicht richtig getroffen, sondern nur ein Flügel abgeschossen. In einem riesigen Feuerball fliegt die Maschine auf die Erde – und genau in eine Kleinstadt, die sich dort zufälligerweise befindet. Der vereitelte Terroranschlag kostet im Endeffekt immer noch Hunderten das Leben und zerstört anderen die Existenz.

Unrealistisch? Nicht unbedingt; Deutschland ist eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt und zumindest im Westen extrem zersiedelt – die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ort von Trümmerteilen in Mitleidenschaft gezogen wird ist riesig. Vor allem wenn man bedenkt, dass aufgrund der geringen Flugzeiten innerhalb Deutschlands die Flugzeuge erst ziemlich spät und wohl mithin schon im Speckgürtel der anvisierten Stadt zerstört werden könnte.

Was ist aber mit den Atomkraftwerken? Sicher, so würde sich z.B. Krümmel durch seine Nähe zu Hamburg als geeignetes Ziel anbieten (von den Folgen ganz zu schweigen, egal bei welchem AKW). Dennoch könnte ein Flugzeug mit großer Wahrscheinlichkeit in ländlichem Gebiet „entsorgt“ werden. Wieso sollte es dann nicht die Möglichkeit geben, das Flugzeug abzuschießen? Aus zwei Gründen: Erstens weil eine große Wahrscheinlichkeit immer auch eine kleine Wahrscheinlichkeit fürs Gegenteil beinhaltet.
Und zweitens? Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Jeder Mensch hat ein Anrecht darauf, dass ihn der Staat vor Gewalt schützt. Wenn der Staat aber beschließt, dass er bestimmte Menschen nicht mehr schützt und im Gegenteil ihren Tod billigend in Kauf nimmt, kann der Bürger nicht mehr in den Staat vertrauen; er ist Willkür ausgesetzt und muss jederzeit damit rechnen, dass ihn der Staat ohne Vorankündigung und Begründung töten kann – einfach, weil der Staat es für nötig hält. Und dies darf NIE passieren!

Es geht nicht so sehr darum, ob es nicht gerechtfertigt ist, einen Super-GAU (und den damit verbundenen Tod tausender, eventuell sogar Millionen von Menschen) zu verhindern, indem er einige Hundert opfert. Eine Rechtfertigung ist das sicherlich, im Endeffekt geht es ja auch mehr um die Frage, ob sie moralisch sauber ist. Und hier sage ich definitiv: Nein!
Wenn man ein solches Gesetz umsetzen würde, würde man einer staatlichen Stelle die Macht geben, über den Tod seiner Bürger zu entscheiden. Diese Machtfülle steht dem Staat aber nicht zu. Mag sie in diesem speziellen Fall auch noch so sehr einleuchten: Im Endeffekt würde dieses Gesetz auch die Todesstrafe oder die Folter wieder ermöglichen. Nicht sofort, aber längerfristig gesehen sehr wohl – schließlich kann man niemandem erklären, warum der Staat nicht töten soll, wenn er doch sogar den Tod erwiesenermaßen Unschuldiger billigend in Kauf nimmt.

Natürlich kann niemand ernsthaft in Zweifel ziehen, dass der Staat im Zweifelsfall die bessere Entscheidung trifft, wenn er ein Flugzeug abschießt, bevor er es in ein AKW fliegen lässt. Aber er darf dies nicht aufgrund von Gesetzen. Soviel sollte uns ein Mensch noch wert sein, dass wir ihm nicht wegen einer so lächerlich unwahrscheinlichen Bedrohung wie einem terroristischen Anschlag aus der Luft das Recht auf Leben absprechen!