Dann sollen sie doch ICE fahren!

Ich weiß nicht, wer der größere Verbrecher ist – die sächsischen Landtagsabgeordneten, die den Scheiß verbockt haben oder die Bahn, die das ganze dummdreist ausnutzt.

Als Student im Besitzer eines Tickets für den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), ist es für mich nicht nur geringfügig, sondern entschieden billiger, von Dresden nach Leipzig mit dem Nahverkehr zu fahren. Zeitlich tut sich das nicht viel, weil die Strecke zwischen beiden Strecken in einem Zustand ist, wie ihn Erich selig noch als ungenügend empfunden haben muss. Nur leider ist das dem Bund bekannt und die Sanierung schon beschlossen – mit niedriger Kategorie. Das bedeutet im Klartext: Die Gelder für den Ausbau sind schon bewilligt, aber wenn etwas dringlicher ist, wird die Sanierung zurückgesetzt. Darum werden Strecken, die in besserem Zustand teilweise schon saniert, während in Dresden die ICEs mit 120km/h dahinzuckeln müssen, weil alles andere eine Aufforderung zum Entgleisen wäre. Immerhin: Angeblich soll es 2014 mit der Sanierung losgehen. Dann fährt zwar keiner mehr mit der Bahn von Dresden aus irgendwohin, weil der Service an die ecuadorianische Staatsbahn erinnern wird, aber Hauptsache, die Form ist gewahrt. Und vielleicht ist ja nun jemandem dadurch die Idee gekommen, dass es keine gute Idee ist, Streckenausbesserung schon Jahre im Voraus zu genehmigen, wenn man nicht zwischendurch aktiv werden kann, wenn die Strecke endgültig nicht mehr benutzbar ist.

Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Ich habe nun dieses Ticket für den VVO und darf damit nicht nur bis zur tschechischen Grenze fahren, sondern auch bis in die mondäne Weltstadt Riesa, die sich auch international einen Namen gemacht hat als Austragungsort von Sportereignissen mit Weltrang, wie z.B. die Sumo- oder Rodeo-WM. Danach ist dann Schluss, denn die sächsische Landespolitik ist irgendwann auf den genialen Trick gekommen, die vier sächsischen Verkehrsverbünde an Landkreisgrenzen zu orientieren. Gut, diese Landkreise gibt es nicht mehr, aber hey, irgendworan muss man sich orientieren. Richtig, und irgendwo muss auch der Schnitt gemacht werden zwischen dem Einzugsgebiet von Leipzig und Dresden – gar keine Frage. Aber das sture Festhalten an Landkreisgrenzen hat einen klitzekleinen Haken: Wer über eine der Verbundgrenzen fährt, kann nicht vom letzten Bahnhof des einen Verbunds aus ein Ticket für den anderen Verbund kaufen. Dies geht nur vom ersten Bahnhof des anderen Verbundes aus, in meinem Fall ist das Oschatz (klingt auch sehr mondän, fast so wie Hoykenkamp, eine Bahnstation zwischen Oldenburg und Bremen, in der allerdings nicht einmal alle Nahverkehrszüge halten). Und dazwischen? Dazwischen muss man sich ein Bahnticket kaufen. Da ich zum Einen ein ehrlicher Mensch bin und mir zum Anderen von regelmäßigen Pendlern bestätigt wurde, dass gerade auf diesem Abschnitt besonders gerne kontrolliert wird, selbst wenn sonst kein Schaffner im Zug ist, habe ich mir also heute ein Ticket gekauft. Ich weiß jetzt auch, wie die bahn 1,6 Milliarden Euro Gewinn machen kann. Für die 9 Minuten Fahrt zwischen Riesa und Oschatz zahle ich geschlagene 3 Euro! Keine Bahn Card, keine Vergünstigungen, der offizielle Fahrpreis. Davor und danach gelten Verbundtarife. Aber auf diesem kurzen Stück zockt die Bahn ab. Es ist echt ein Frechheit! Für das teuerste Einzelfahrtticket im Leipziger Verkehrsverbund muss ich danach 8,40 Euro zahlen und kann dafür 4 Stunden im kompletten Verkehrsverbund fahren. Das steht doch in überhaupt keinem Verhältnis! Und da wundert sich Herr Mehdorn über sein Image. Es kann ja sein, dass 3 Euro inzwischen der Mindestpreis für eine Fahrkarte sind, aber in so einem Fall wäre es fürs Image deutlich besser, nur die Hälfte zu verlangen. 1,50 Euro – ich hätte es zwar nervig gefunden, aber mich nicht darüber aufgeregt, weil auf der Strecke nun mal kein Verbundtarif gilt. Aber 3 Euro ist einfach nur schofelig.

So, nachdem ich mich nun darüber aufgeregt habe, dass die Bahn eine Schweinefirma ist, die armen Studenten das Geld aus der Tasche zieht, verabschiede ich mich hiermit offiziell in den Urlaub. Ich fliege am Sonntag für vier Wochen nach Spanien, genauer gesagt nach Salamanca, um mein Spanisch mit Hilfe eines Sprachkurses wieder auf Vordermann zu bringen. Für die nächste Woche ist Sonne satt bei ca. 30 Grad und maximal 5% Regenwahrscheinlichkeit angesagt. Genau das richtige für einen Sonnen- und Hitzehasser wie mich. Wenigstens ist die Sprachschule klimatisiert…

Also, einen schönen Restaugust und Anfangsseptember. Ich kann zwar in der Sprachschule ins Internet, aber ich werde mich deswegen wohl auf Emails konzentrieren und nicht auch noch Blogs lesen. Wir hören Ende September wieder voneinander!

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