Heinz Strunk: Fleisch ist mein Gemüse

Fleisch ist mein Gemüse (c) by AmazonWie das so ist mit Büchern, die einem von allen Seiten angetragen werden: Irgendwann liest man sie. Insbesondere dann, wenn in der Blogroll der größte lebende Heinz-Strunk-Fan von (mindestens) Kücknitz steht.

Auf dem Umschlag steht erstmal ein Zitat von Sven Regener, der mit Herr Lehmann und Neue Vahr Süd dieses Genre, dass ich Popliteratur nennen würde, wenn dieser Name nicht schon anderswertig besetzt wäre, geprägt hat. Und Herr Regener scheint das Buch zu mögen. Das ist auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal – anders als ein Zitat von Jürgen von der Lippe auf dem Umschlag, was mich daran hinderte, Die Bibel nach Biff zu kaufen…

Worum geht es also? Heinz, durch Akne entstellter Blasinstrumentvirtuose (genauer gesagt: Holzblasinstrumente jeglicher Coleur – von der Blockflöte bis zum Tenorsaxophon), erhält 1985 einen Anruf, ob er nicht bei der Tanzkapelle Tiffanys (ohne Die davor) mitmachen möchte. Da er ohnehin keine Arbeit hat, überlegt er nicht lange und sagt zu. Das Buch handelt nun davon, wie Heinz krampfhaft daran scheitert, berühmt zu werden, was auf den Schützenfesten zwischen An der Nordseeküste (der dicke Klaus kommt übrigens aus Oldenburg!) und Roger Whitaker so alles abgeht und wie man nebenbei viele Eier isst und seine Spielsucht pflegt.

Warum ich dieses Buch Dorfpunks von Rocko Schamoni vorzeihe ist die Situation, in der sich Heinz befindet: Ein Loser, wie er im Buche steht, der sich zwar genau analysieren kann, aber trotzdem nichts an seiner Situation ändert. Ich bin ähnlich – das schafft natürlich Identifikationsmöglichkeiten. Und wenigstens habe ich keine Akne! Aber es ist herrlich, was den Fünf von der Tanzkapelle so widerfährt und wie auch Heinz seinen wirklich nicht als nervenaufreibend zu beschreibenden Alltag meistert. Aber am Allerbesten ist der Schreibstil. Einen ähnlich witzigen Ton kenne ich bisher wirklich nur von Sven Regener. Sätze wie

Neugierig wie eine Hutzeloma saß ich in der Küche und lupfte ein wenig die Vorhänge, um sehen zu können, wer da durch den winzigen Garten heranstapfte.

sind eben ganz großes Kino! Ich kann das Buch nur empfehlen – es liest sich köstlich und verrät alles wesentlich über Niedersachsen und die Niederungen der Tanzkapellen auf Schützenfesten.

Links:

Fleisch ist mein Gemüse bei Amazon kaufen

Offizielle Homepage von Heinz Strunk

Rezension des Buches

Infos zum kommenden Film

10 Antworten to “Heinz Strunk: Fleisch ist mein Gemüse”

  1. […] Ein paar Worte noch zu Dorfpunks, seinem autobiografischen Buch. Ich finde es nicht so gut wie Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk, aber es ist trotzdem nett zu lesen und gibt auf jeden Fall einen guten Einblick, […]

  2. Schön, dass es Dir gefällt. Aber er spielt doch nicht nur Holzblasinstrumente, sondern u. a. auch die „goldene Klarinette“ :-) Es ist vor allem nicht nur ein witziges, sondern auch tragisches Buch (seine Mutter etc.), was dem Ganzen noch einen anderen Anstrich gibt.

    Die Bibel nach Biff ist aber auch empfehlenswert, also siehe beruhigt über von der Lippe hinweg (obwohl der ja auch ein paar gute Sachen gemacht hat).

  3. Der kommt ja bald im Kino. Ich hab den Trailer gesehen und konnte damit überhaupt nicht warmwerden.

  4. @Sebastian:

    Ja, seine Familienkonstellation ist schon echt verkorkst. Umso besser, dass was aus ihm geworden ist.

    Und wenn du im Musikunterricht besser aufgepasst hättest, wüsstest du, dass die goldene Klarinette auch ein Holzblasinstrument ist – wegen der Blättchen.^^

    @Paul:

    Der Film muss ja auch nicht so gut sein wie das Buch – nach dem, was ich bisher gelesen habe, ist die Story auch ein klitzekleines bisschen anders.

  5. Holzblasinstrumente sind sehr schmackhaft. Vor allem Blockflöten. Blechblasinstrumente sind dafür aber eisenhältig! ;-)

  6. Im Leben hat halt alles seine positiven und negativen Seiten…

  7. randnotiz Says:

    wer sagt denn, dass heinz heinzer strunk jemals klarinette gespielt hat??? ich kenne ihn von früher nur mit sopransaxophon, tenorsaxophon und querflöte…und querflöte ist bekanntlich auch nicht aus holz…
    ach ja, da fällt mir ein, ich habe von den frühen 80er Jahren noch einen kleinen videofilm von einem liveautritt von heinz strunk….

  8. Es geht doch nicht um eine Klarinette, sondern um die „goldene Klarinette“ :-)

  9. Wenn Blinde über Farben reden, dann kommt meistens Murks raus…^^

    Blasinstrumente werden in Holz- und Blechblasinstrumente unterteilt. Das hat nichts mit dem Material zu tun, aus dem die Instrumente sind, sondern mit dem Mundstück: Alle, die Holzblättchen haben sowie alle Flöten (auch die aus Plastik von Yamaha!) sind Holzblasinstrumente, alle mit Metallmundstücken (Trompeten, Posaunen, Hörner etc.) sind Blechblasinstrumente. Normalerweise werden Saxophone fälschlicherweise für Blechblasinstrumente gehalten, weil sie ja aus Blech sind; da aber das Mundstück aus Holzblättchen besteht, sind sie Holzblasinstrumente.

    So, ich hoffe doch, dass ich der Diskussion damit die Grundlage genommen habe!^^

  10. […] Jules? Der einzige Held der Popkultur, dessen Leben emotional mit meinem vergleichbar ist, heißt Heinz Strunk. […]

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