Jürgen Teipel: Verschwende deine Jugend

Verschwende deine Jugend (c) by Amazon

Als ich klein war, hatten meine Eltern ein Café. Zu den Standards gehörte ein Mittagstisch und so waren auch jeden Tag die Anarchisten aus der Druckerei nebenan zu Gast. Hin und wieder war dann auch einer ihrer Kumpel aus Bremen zu Besuch, ein Freund aus alten Hafenstraßenzeiten und seines Zeichens Besitzer eines Plattenlabels und Frontmann einer Punkband. Ein ganz großes Tier in der Punkszene, wenn man ihm so zuhörte. Damals mit Campino, ja, das waren noch Zeiten! Campino war mir schon damals ein Begriff und deswegen habe ich schon damals gedacht: Was ein Aufschneider! Wahrscheinlich hatte er Campino mal getroffen und ein Bier mit ihm getrunken und das war’s dann.

Wie überrascht war ich also, als ich „Verschwende deine Jugend“ von Jürgen Teipel aufschlug. Denn von wem stammen die allerersten Wörter im Buch? Natürlich von Fabsi, Weserlabel-Chef, Sänger der Mimmi’s und ZK-Kollege von Campino. Von wegen Aufschneiderei – Fabsi war wirklich eine große Nummer in den Anfangsjahren des Punks. So kann man sich irren…

„Verschwende deine Jugend“ ist das ultimative Musikbuch. Es besteht nur aus Interviewbruchteilen mit Leuten, die für die Anfänge des Punk in Deutschland entscheidend waren. Das sind nicht immer nur die strahlenden Helden, die auch heute noch einen respektabeln Namen haben, sondern auch Leute wie die Humpe-Schwestern (na, welche Bands haben die beiden derzeit am Laufen?) oder bloße Zuschauer wie Ben Becker. Es liest sich wunderbar, auch wenn man hin und wieder den Überblick verliert, wer denn nun mit wem was zu tun hatte. Aber man erfährt viel über die damalige Zeit, als Deutsch plötzlich popkompatibel wurde und Punk zur Neuen Deutschen Welle wurde, die von den großen Plattenfirmen ausgeschlachtet wurde. Insofern ist es nur konsequent, dass das Buch mit den Ramones beginnt und mit dem Tag endet, an dem Codo (…düse im Sauseschritt) von D.Ö.F. Nummer Eins in Deutschland wurde.

Gerade für Leute wie mich, die noch nicht geboren waren, aber von den Auswirkungen dieser letzten großen Revolution des Rock (Techno und HipHop kamen nicht urplötzlich und mit so einer Kraft) noch heute profitieren, ist das Buch ein absoluter Goldschatz. Und immer dran denken: Vielleicht ist der Spacko-Punk aus der Nachbarschaft in Wirklichkeit Urvater der Punkbewegung…

Links:

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Offizielle Seite zu „Verschwende deine Jugend“

Leseprobe:

Eine Leseprobe findet ihr hier.

2 Antworten to “Jürgen Teipel: Verschwende deine Jugend”

  1. Ich habe es noch nicht gelese, mag aber den Schreibstil der Interviewschnipsel. Das gleiche gibt es auch noch mit der Punk-Historie überhaupt, Please kill me. Auch unbedingts lesenswert.
    Und wenn man wissen will, wo die Punkwelle abgeebbt ist, der kann ja nochmal Dorfpunks lesen :-)

  2. […] Einblick, wie Punk außerhalb der großen Zentren Düsseldorf, Berlin und Hamburg ablief (vgl. dazu Verschwende deine Jugend). Aber so richtig gekickt hat es bei mir nicht. Aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass […]

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