Archiv für März, 2008

Heinz Strunk: Fleisch ist mein Gemüse

Posted in Der Geschmacksdiktator with tags , , , , on 26. März 2008 by MuGo

Fleisch ist mein Gemüse (c) by AmazonWie das so ist mit Büchern, die einem von allen Seiten angetragen werden: Irgendwann liest man sie. Insbesondere dann, wenn in der Blogroll der größte lebende Heinz-Strunk-Fan von (mindestens) Kücknitz steht.

Auf dem Umschlag steht erstmal ein Zitat von Sven Regener, der mit Herr Lehmann und Neue Vahr Süd dieses Genre, dass ich Popliteratur nennen würde, wenn dieser Name nicht schon anderswertig besetzt wäre, geprägt hat. Und Herr Regener scheint das Buch zu mögen. Das ist auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal – anders als ein Zitat von Jürgen von der Lippe auf dem Umschlag, was mich daran hinderte, Die Bibel nach Biff zu kaufen…

Worum geht es also? Weiterlesen

Schmeckt wie beim guten Italiener

Posted in Mittendrin statt nur dabei with tags , , , , , , on 24. März 2008 by MuGo

Meine Eltern waren über Ostern zu Besuch und das bedeutet: Essen satt! Und nicht nur das Wenzel oder die Planwirtschaft sind lecker. Der kulinarische Oberhammer war mein etwas verspätetes Geschenk zum Abi. Denn als Teil einer passionierten Feinschmecker-Familie (ich hasse das Wort Feinschmecker. Ich esse schließlich, was mir schmeckt und nicht irgendwas, das fein ist!) hatte ich irgendwann den Wunsch geäußert, einmal in einem Sterne-Lokal zu essen, was mir dann auch prompt als Abigeschenk gewährt wurde. Aus familiären Gründen hat es sich bisher aber noch nicht ergeben.

Okay, ich habe keinen Vergleich zu anderen Sternelokalen, aber allein der Vergleich zu dem, was ich bisher in meinem Leben essen durfte, lässt mich darauf schließen, dass ich in einem der besten Restaurants Deutschlands gegessen habe. Und, noch viel wichtiger: Es wurde mit Zutaten gearbeitet, die ich auch genießen kann. Ich bin nämlich nicht unbedingt von allem angetan. Aber so konnte ich das volle Programm genießen: Das Sieben-Gänge-Menü. Und nun folgt eine kleine Abhandlung über das gestrige Programm. Nochmal: Ein Sieben-Gänge-Menü wurde bestellt und gezahlt. Der Rest ist – außer den Getränken – sozusagen inklusive… Weiterlesen

Harold & Maude

Posted in Der Geschmacksdiktator with tags , , , , , , , on 17. März 2008 by MuGo

Harold & Maude ((C) by funkygog.de)

Ich liebe absurden Humor. Zwar nicht immer und auch nicht wirklich alles, aber Skuriles und Schwarzhumoriges ist genau das, was ich liebe. Darum ist Harold & Maude für mich auch einer der größten Filme überhaupt. Der Film erinnert mich mehr an Monty Python als an alles andere amerikanische, dass ich je gesehen habe.

Es geht los mit der Anfangssequenz, die sofort zeigt, wer den Film mag und wer nicht: Wer lacht, wird den Film lieben, wer entsetzt ist, kann am Besten sofort aufhören weiter zu gucken. Denn Harolds ersten Satz („Ich habe Halsschmerzen.“) wird diese Person wohl kaum amüsant finden.

Aber worum geht es überhaupt? Weiterlesen

Democracy In The UK

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , , on 15. März 2008 by MuGo

Wieso sind eigentlich alle überrascht, dass so viele Länder Probleme mit ihrer Demokratisierung haben? Welches Land hatte die denn nicht? Also mir fällt außer den USA grade kein Land an, dass von Anfang an eine stabile Demokratie war. Und das waren die ehemaligen Kolonie der am weitesten demokratisierten Macht zu der Zeit und haben sich wegen fehlender Beteiligung am Regierungsprozess für unabhängig erklärt; mit anderen Worten: Da gab es einfach keinen Nährboden für Diktatoren. Außerdem stellt sich die Frage, ob die USA nicht sogar erst mit der Verwirklichung der Bürgerrechte auch für Schwarze „vollendet“ war.

Wenn jetzt aber der Irak oder Afghanistan (künstliche Länder ohne bisherige demokratischen Phasen) überraschenderweise nicht freudestrahlend Kompromisse eingehen oder ihren Herrschenden vertrauen, tun alle so, als wäre das überraschend.

Auch in Deutschland und Japan ist die Demokratie nicht vom Himmel gefallen. Beide mussten eine Demokratie aufbauen, weil sie dazu gezwungen wurden und es keine Möglichkeit für antidemokratische Gruppierungen gab um sich zu profilieren – dafür haben die Alliierten schon gesorgt. In Deutschland gab es zudem eine damals schon hundertjährige Erfahrung mit Parlamentarismus und genügend Persönlichkeiten aus der Weimarer Republik, die das System tragen konnten. In Japan sah es ein bisschen anders aus, aber diese Defizite merkt man meiner Meinung nach auch im japanischen Parlamentarismus – zumindest erscheint mir das, was man hier mitbekommt, noch undemokratischer als bei uns.

Außerdem: Wenn man sieht, wie sich schon relativ homogene Gesellschaften wie Deutschland und Japan so schwer mit Kompromissen tun – wie soll dann ein Vielvölkerstaat zu vernünftigen Entscheidungen kommen, die zwar nicht von allen getragen, aber zumindest akzeptiert werden?

Egal, was sich jemand wünscht – solange die Leute nicht bemerken, dass eine funktionierende Demokratie mehr Vorteile bringt als ein Diktator aus der eigenen Gruppe, wird doch niemand ernsthaft bereit sein, dem Feind die Macht zu übergeben. Wenn der Irak Glück hat, dann gibt es jetzt eine Phase der Scheindemokratie wie es in Südamerika lange der Fall war – und dort haben sich die Leute letztendlich selbst aus der Scheiße gezogen, weil es sonst ja keinen interessiert hat. Auch wenn Chávez eine verdammte Ausnahme ist: Für die meisten Länder ist eine Diktatur trotzdem inzwischen undenkbar. Wie gesagt: Gebt den Leuten 100 Jahre Zeit zum Üben – und ihr kriegt eure Demokratien!

Jürgen Teipel: Verschwende deine Jugend

Posted in Der Geschmacksdiktator with tags , , , , , , , on 10. März 2008 by MuGo

Verschwende deine Jugend (c) by Amazon

Als ich klein war, hatten meine Eltern ein Café. Zu den Standards gehörte ein Mittagstisch und so waren auch jeden Tag die Anarchisten aus der Druckerei nebenan zu Gast. Hin und wieder war dann auch einer ihrer Kumpel aus Bremen zu Besuch, ein Freund aus alten Hafenstraßenzeiten und seines Zeichens Besitzer eines Plattenlabels und Frontmann einer Punkband. Ein ganz großes Tier in der Punkszene, wenn man ihm so zuhörte. Damals mit Campino, ja, das waren noch Zeiten! Campino war mir schon damals ein Begriff und deswegen habe ich schon damals gedacht: Was ein Aufschneider! Wahrscheinlich hatte er Campino mal getroffen und ein Bier mit ihm getrunken und das war’s dann. Weiterlesen

SPIEGEL-Leser wissen mehr – und von allem nur ein bisschen

Posted in Das große Ganze with tags , , , , , , on 7. März 2008 by MuGo

Nachträgliche Änderungen kursiv. Letzte Änderung: 08.03.08, 00:15 Uhr

Letztens bin ich via SpiegelKritik auf einen Artikel gestoßen, der sich darüber beklagte, dass beim Spiegel anscheinend nur Windowsnutzer über Mac-Produkte schreiben. Dabei ist mir wieder eingefallen, wie ich 2005 im Rahmen der Recherchen zu meiner Facharbeit anfing, vom Glauben an die Kompetenz der Spiegel-Redakteure abzufallen. Weiterlesen

Zwei kleine Zwischengedanken

Posted in Le blog et moi with tags , , on 5. März 2008 by MuGo

Letztens konnte ich zum ersten Mal meine geballte Zivi-Erfahrung anwenden. Der Opa eines Komilitonen ist kurz vor der Prüfungszeit gestorben und ich habe das getan, was ich auch schon im Zivildienst jeden Tag gemacht habe: Zugehört.

Nur, dass ich mir jetzt sicher war, dass richtige zu tun und auch nicht die ganze Zeit darüber nachdenken musste, was man denn jetzt wohl am Besten sagt…

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Vielleicht sollte man doch nicht mehr so leichtfertig Politikern unterstellen, dass sie zu weit von den „normalen“ Bürgern entfernt sind. Nachdem ich heute in einer Reportage über eine Stuttgarter Supermarktkette, die Langzeitarbeitlosen eine Chance zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt gibt, gelesen habe, dass manchen Arbeitslosen nicht klar war, dass es auf Lebensmitteln Mindesthaltbarkeitsdaten gibt, ist mir nämlich einmal mehr bewusst geworden, wie wenig sogar vermeintliche Selbstverständlichkeiten wert sein können…