Signs

Signs - ZeichenEs ist manchmal etwas schwierig, anderen Menschen zu erklären, warum ich Signs für einen der besten Filme aller Zeiten halte. Die meisten Menschen reagieren abweisend und halten ihn bestenfalls für eine langweilige Zeitverschwendung.

Ich kann es ihnen nicht übel nehmen – der Film wurde völlig falsch vermarktet. Man musste Science Fiction und Horror erwarten, aber was man bekam war ein Film, in dem Mel Gibson seiner Frau hinterhertrauert und es keinerlei Action gibt.

Machen wir es jetzt folgendermaßen: Wer den Film noch sehen möchte, sollte jetzt nicht weiterlesen. Damit diese Personen nicht ebenfalls enttäuscht sind, wenn sie ihn sehen, nur so viel: Es ist kein SciFi!

Okay, nun, da ich niemandem mehr den Filmgenuss zerstören kann, werde ich den Film zerlegen und erklären, warum ich den Film so genial finde. Ganz einfach: Dieser Film transportiert genau die Art von Religiosität, die ich schätze und auch vollstens respektiere. Es geht um den gefallenen Priester, der wieder zu seinem Glauben findet. Der Film hat nur eine einzige Botschaft: Habe Vertrauen in Gott!

Natürlich, wenn man sich ein spannendes Horror-SciFi-Spektakel erwartet hat, dann muss man enttäuscht sein; wenn man aber wie ich ohne irgendwelches Vorwissen in den Film geht und sich für Religion interessiert, dann ist der Film einfach nur genial!

Dabei sind die Außerirdischen nur eine Metapher. Sie stellen eine unheimliche und nicht greifbare Bedrohung dar, der man sich hilflos ausgeliefert fühlt. Und da kommt die religiöse Komponente ins Spiel: Wäre Mel Gibson immer noch Priester, würde er wie sein Bruder (gespielt von Joaquin Phoenix, dem derzeit wahrscheinlich besten Schauspieler) an etwas glauben und hätte das Vertrauen, dass irgendwer ihn beschützen wird. Aber seit dem Tod seiner Frau ist er vom Glauben abgefallen, da ihre letzten Sätze keinen Sinn mehr ergaben. Seine Konsequenz: Es kann keinen Gott geben, wenn die letzten Worte seiner Frau eine sinnlose Bemerkung aus einem Baseballspiel sind.

Der verlorene Sohn, der gefallene Engel, der Zweifler – ein Thema, mit dem sich Religion seit ihren Anfängen herumschlagen muss. Zu Recht, keine Frage; aber Signs schließt den Kreis wieder und sagt: Du darfts Zweifeln – aber wenn Gott dir ein zeichen sendet, dann musst du es auch wahrnehmen. Und das tut Mel Gibson. Denn am Ende haben all‘ die Macken und Fehler der Menschen dafür gesorgt, dass es eine neue Chance gibt. Die zufällige Begegnung mit dem Tierarzt, die den Hinweis mit dem Wasser gibt; die vielen Wassergläser, die im Haus herumstehen; die Asthmaanfälle; die missglückte Baseballkarriere, die den Hoffnungsträger des Dorfes dazu zwingt, auf der Farm seines Bruders zu arbeiten; und nicht zuletzt diese letzten, unsinnigen Worte der toten Ehefrau, die den Stein ins Rollen bringen. Alles waren Details in einem größeren Plan.

Warum stört mich diese religiöse Komponente aber nicht? Ganz einfach: Weil Gott hier keine „reale“ Persönlichkeit ist, sondern ein Konzept. Die Bedrohung kommt daher, wo Gott sein sollte – aus dem Himmel. Er ist nicht präsent als der Mann, der die Fäden in der Hand hat, sondern als der Geist, der alles durchwirkt und zusammenhängen lässt. Sicher, dieser Film steht indirekt auch für Kreationismus und unbedingten Glauben – aber er steht nicht für Hass, nicht für ein Leben nach dem Tod, nicht für ein Jüngstes Gericht. Er verlangt Gottvertrauen, das ja – mehr aber nicht. Er verurteilt nicht mal den Zweifler. Und damit ist er für einen religiösen Film – zumal einem mit Mel Gibson – schon ziemlich einzigartig.

Links:

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Offizielle Website zum Film (Englisch)

Signs bei Wikipedia

Trailer:

11 Antworten to “Signs”

  1. Danke, MuGo. Ich wollte Signs nie sehen, weil ich mit SciFi-Horror nichts anfangen kann, aber deine Aufzählung hier hat dafür gesorgt, dass ich mir den Film anschauen werde. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber ich werds :)

  2. Ich habe den Film verstanden, ich weiss, was Shayahymalaja mir sagen will – und fand ihn trotzdem langweilig. Den Luxus gönne ich mir.

    Nur The Village verstehe ich nicht. Aber ich bin überzeugt, da gibt es nichts zu verstehen. Der ist einfach so lahm. Aber Unbreakable halte ich für ein Meisterwerk und in 6th Sense war der Twist wenigstens noch überraschend. Das Problem ist, dass man in Shamalayans Filmen auf die Überraschung wartet, so dass man garnicht mehr überrascht werden kann. Wobei ich den letzten Film noch nicht kenne.

  3. Das ist genau der Punkt – der überraschende Twist. Bei The Village war mir nach zehn Minuten klar,

    Spoiler

    dass das ganze eigentlich in der Gegenwart spielt.

    Spoiler

    Enfach nur, weil es ja am Ende eine überraschende Wendung geben muss. Und ja, der Film war langweilig, man hätte ihn auch auf 90 Minuten einschmelzen können – ohne das etwas entscheidendes verloren gegangen wäre.

    Überhaupt: Das Problem an den Shyamalan-Filmen ist Shyamalan. Es gibt wohl keinen Menschen, der von sich selbst überzeugter wäre als Shyamalan. Wenn es zur Zeit einen Menschen auf dem Planeten gibt, der glaubt, der Messias zu sein, dann er. Darum merkt er auch nicht, dass er sich wiederholt und wiederholt. Und natürlich darf man seine Filme deswegen für langweilig halten. Außer The Sixth Sense, der ist einfach genial!

    Und anscheinend sollte ich mir Unbreakable mal angucken. Ich habe das irgendwie immer für einen Schwarzenegger-Film gehalten…

  4. Ne, Willis-Film :-)

    Auch hier gibt es natürlich einen Twist, aber der findet irgendwie auf einer andere Ebene statt. Beim Zuschauer, nicht konkret im Film.

  5. naja, unbreakable fand ich nicht so toll. aber durch deine kritik auf signs sehe ich den film in nem völlig neuen licht. bei sehr vielen filmen merkt man, dass sie falsch vermarktet worden sind. deshalb war ich auch von signs enttäuscht – obwohl ich ihn eigentlich eh nur wegen joaquin angesehen habe..

  6. Mir hätte der Film gefallen, wenn nicht die Sache mit dem Wasserglas gewesen währe. Dann währe das allerdings wieder so ein Krieg-der-Welten-Independence-Day-Ding gewesen. Aber vielleicht fände ich ihn dann nur besser, weil ich ja nicht so für Religionen bin.

  7. Ja, das ist in meinen Augen schon das große Problem: Wir leben in einem säkularisiertem Land und sind dementsprechend (und Gott dem Allmächtigen sei es gedankt!) kritisch gegenüber sektiererischem Geschwafel, besonders wenn Mel Gibson was damit zu tun hat – denn bei aller Liebe, lieber den Scientologen Tom Cruise als den bigotten katholiken Mel Gibson!

    Auf jeden Fall spielt das garantiert bei der Bewertung des Films in Deutschland mit. Ist ansich auch nicht schlimm, aber es zeigt eindrucksvoll, dass wir Amerika eben nicht an unseren Maßstäben messen können, weil es eine ganz andere Kultur ist.

  8. Deswegen: Wenn es ein Film sein soll, bei dem Religion eine große Rolle spielt und bei dem die Essenz der Religionen vermittelt werden sollen, dann bitteschön „Ladykillers“ gucken. Oder 7. Aber nicht einen SciFi-Film, der sich als religiöser Streifen outed. Ich finde Signs im großen und ganzen nicht schlecht, nur dieses erzwungene mit dem Wasserglas.. deus ex machina war mir nie unbeliebter als in diesem Film. Gerade das macht den Film wieder viel schlechter, weil es sich ja eben den ganzen Film hindurch unterschwellig andeutet, man aber glaubt „Ne, das währe zu einfach. Das währe zu billig. Nee, so bitte nicht.“ Und dann machen sie es trotzdem.
    Und deswegen bin ich eher für die von mir genannten Konkurrenten in Sachen „religiöser Inhaltsvermittlung“ (die mir nur ganz fix eingefallen sind). Sie vermitteln nicht die Botschaft „Du sollst glauben!“, sondern die Botschaft, die auch Religionen an sich versuchen als das Wichtigste zu vermitteln – den kategorische Imperativ nach Kant. Und das ist auch der Punkt, in dem ich mit der christlichen Religion zusammenkommen kann.

    Mir ist es egal, ob Mel Gibson oder Tom Cruise mitspielt, hauptsache sie spielen gut. Ich bin in der Hinsicht ganz meiner Heimat Preußen hörig und sage es mit den weisen Worten, die glaube ich vom alten Fritz persönlich stammten: „Jeder soll nach seiner Fasson seelig werden.“ Und er war dabei dann genauso opportunistisch wie ich.

  9. unregistriert lebt mutiger Says:

    Ein Film muss unabhängig von seiner Vermarktung überzeugen, bestenfalls die Synchronisation ließe sich in manchen Fällen verantwortlich machen. Hier nicht, denn
    Signs war leider Käse durch und durch. Bis hin zum ekelhaft kitschigen Schluss, der Wiederaufhängung von Pater Mels Kreuz.

    Ist Geschmack so schwierig?

  10. Warum ist es so schwierig, zu seinem Geschmack zu stehen?

  11. Alexander Says:

    Signs war ok , bis zum – wie schon von anderen gesagt – Schluss.

    Das war mir einfach zu religiös. Die Geschichte an sich war gut , die Invasion der Extraterrestren war nicht dasselbe wie bei „Independence Day“ (Ich habe mich vor Patriotismus übergeben ) oder “ War of the Worlds “ ( zu viel Tamtam , auch hier religiöses Zeugs am Schluss und dann noch Tom Cruise ) , die Invasion verlief schleichend , ohne grosse Verwüstung und als die Aliens genug Menschen entführt haten haben sie sich wieder verpisst.

    Nur dass der Nachzügler – Alien ausgerechnet von Weihwasser bezwungen wird fand ich dann schon nicht mehr ganz so gut.

    Der Film baut eine spannungsvolle Atmosphäre auf , und selbst ich – sonst unerschrocken bis ins Mark – bin insgeheim zusammengezuckt als plötzlich der Alien bei der Kindergeburtagsparty durchs Bild huschte.

    Aber zu The Village – der Film war wirklich lahm . Sehr lahm sogar. Ich hatte bereist geahnt das der Film in der Gegenwart spielt als die blinde Frau durch den Wald musste – ich hatte es einfach im Urin , daher hat mich auch das Ende nicht besonders überascht.

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