Ich war im Kindergarten – und meine Eltern lieben mich trotzdem!

Manchmal schreibt man Kommentare, die es wert sind, dass sie zu einem Artikel werden. So geschehen mit diesem Kommentar zu Konnas Beitrag „Die Leiden der Eva Hermann oder Staat vs. Kinder„. Das ganze lag mir sowieso auf der Seele und ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, daraus einen Post zu basteln. Nun passiert es also doch, wenn auch über einen Umweg. Ich bitte darum, den Beitrag ebenfalls zu lesen, schon allein wegen der Diskussion (besonders der Beitrag von Katja) und auch, weil ich das Ganze umarbeiten muss, damit es auch ohne Konnas Artikel verständlich wird. Das Original zu kennen ist aber nie verkehrt und sich mehrere Meinungen anzuhören erst recht nicht!

Ich werfe Eva Hermann nicht vor, dass sie Naziideologien verbreiten möchte oder ähnliches. Ich habe das Transskript der Kerner-Sendung gelesen und es geht klar hervor, dass dies nicht von ihr beabsichtigt war und sie sich einfach nur falsch ausgedrückt hat. Ihr Problem besteht darin, dass sie behauptet, falsch zitiert worden zu sein, obwohl es bei der von ihr benutzten Formulierung keine andere Möglichkeit gab, als das Zitat dahingehend zu interpretieren, dass sie der Familienpolitik der Nazis hinterhertrauert. Wer sich danach nicht hinstellen und sagen kann: „Es tut mir Leid, ich habe totalen Blödsinn gesagt, denn es klingt nun als würde ich die Nazis vermissen; dabei wollte ich darauf hinweisen, dass die Nazis den Begriff pervertiert haben und er deswegen von den 68ern abgelehnt wird.“ (zumindest entnehme ich diese Position ihrem Auftritt bei Kerner), ist selber Schuld. Wer stattdessen sogar eine „gleichgeschaltete Presse“ herbeifabuliert, die im Sinne der 68er berichtet (bei Welt und FAZ wird man kräftig gelacht haben), dem ist nicht mehr zu helfen…

Nein, ich werfe Eva Hermann was anderes vor: Sie behauptet einfach, dass jemand, der Kinderbetreuung in fremde Hände gibt, grundsätzlich falsch handelt. Das ist genauso dämlich, wie jemandem, der sich um Kinder kümmert, vorzuwerfen, sie (oder er) würde sich nach Volk und Führer zurücksehnen – was ja im Endeffekt die extreme Gegenseite ist.

Meine Eltern haben noch studiert, als ich geboren wurde. Von Anfang an wurde ich also nicht nur von meinen Eltern, sondern auch von meinen Großeltern und der Kinderkrippe der Universität betreut. Später, als meine Eltern selbstständig waren, bin ich zwar nach Kindergarten und Grundschule ins Café meiner Eltern gegangen, doch ab der 5. Klasse ging ich in Oldenburg zur Schule und bin danach immer direkt nach Hause gefahren, wo ich an den Nachmittagen mich selbst organisieren musste. Mich hat dies nie gestört und ich glaube auch nicht, dass ich deswegen irgendwelche Defizite (menschlich oder erzieherisch) gegenüber anderen Menschen mit Vollzeitelternteil habe – ich habe aber auch keinerlei Vorteile! Es war einfach nur die für mich und meine Eltern beste Lösung. Ich hätte mich gegen eine permanente Betreuung gewehrt und meine Eltern lieben (und liebten) ihre Arbeit genausosehr wie mich. Beide haben den für sie richtigen Weg eingeschlagen und ich musste nicht darunter leiden – das ist doch toll!

Deswegen fordere ich von Eva Hermann: Es ist super, dass Sie den für Sie besten Weg gefunden haben, sich um ihr Kind zu kümmern; es ist schade, dass Sie deswegen angefeindet werden. Aber trotzdem müssen wir jetzt nicht plötzlich alles umdrehen und Frauen verbieten, Kinder zu bekommen und dennoch zu arbeiten. Denn ich, meine Eltern und auch viele andere Leute wollen genau dies nicht.

Jetzt kann man fragen: Wie sehr liebt man denn ein Kind, wenn man es nicht einmal selbst betreuen will, sondern es den Tag über irgendwo abgibt? Gute Frage. Aber es gibt eben auch die Gegenfrage: Ist es Liebe, sich selbst aufzugeben und etwas zu machen, auf das man keine Lust hat, nur weil man jemandem etwas vorspielen möchte, was man selbst gar nicht will? Und das wäre der Fall gewesen, wenn meine Mutter sich allein mir gewidmet hätte – sie wäre da gelandet, wo sie nie hinwollte. Aber einen Beruf, der ihr Spaß macht und sie ausfüllt, den hat sie gewollt – und dabei wunderbar das Spagat zwischen Kind und Karriere gemeistert. Ich mache meiner Mutter keinerlei Vorwürfe, sondern bin ihr dankbar, dass sie sich immer um mich gekümmert hat und für mich da war.

Und jetzt kommt ein Punkt, der meiner Meinung nach in der ganzen Situation zu kurz kommt: Ich bin ein Einzelkind – und ein Kind macht weniger Arbeit als zum Beispiel sieben. Das ist einfach so. In der ganzen Familiendiskussion wird aber einfach ausgeblendet, dass heutzutage kaum noch jemand mehr als zwei Kinder hat. Zum Beispiel Eva Hermann, die nur einen Sohn hat – und damit typisch für die Frauen ihrer Generation ist; eine Generation, in der Akademikerinnen mit Vierzig nur ein Kind bekommen und sich dann zu Full-Time-Müttern entwickeln. Aber gerade diese Frauen sind es, die nun für die Familie sprechen und den Weteverlust in dieser Hinsicht beklagen. Und da frage ich mich: Wie kann das sein? Eine Familie besteht aus mehr als Mutter und Kind. Warum versuchen solche Frauen, etwas einzuklagen, was eigentlich Frauen wie unserer Bundesfamilienministerin zustehen sollte: Das Recht, sich um die eigenen Kinder zu kümmern und dennoch als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft akzeptiert und geachtet zu werden.

Ich habe Vorurteile und diese beeinflussen natürlich meine Meinung. Und eines dieser Vorurteile ist: Einzelkinder mit Vollzeitmutter sind verzogene Arschlöcher. Dafür können diese Kinder nichts – sie sind schließlich entsprechend erzogen worden! Wenn die ganze Zeit jemand um einen herum schawenzelt, muss man ja glauben, dass man der Mittelpunkt des Universums ist. Und wenn man nie einen Kindergarten besucht und nach der Schule gleich wieder in die Rundum-Sorglos-Welt der sich kümmernden Mutter entlassen wird, dann kann man nie lernen, Konflikte auszuhalten, soziales Fehlverhalten zu korrigieren, auch einmal zurückzustecken. Denn wenn es Probleme kommt Mama und steht uns bei. Das kann’s nicht sein! Der Mensch ist nunmal ein Herdentier und deswegen müssen wir lernen, in der Gesellschaft bestehen zu können. Denn das Problem von Herden ist, dass man schnell ausgeschlossen werden kann und alleine dasteht.

Man merkt: Ich störe mich nicht an Großfamilien – ich störe mich an verzogenen Einzelkindern und daran, dass es derzeit eine Gruppe von Frauen gibt, die das Großziehen von sozialen Krüppeln zu ihrem Lebensinhalt stilisiert. Das wird schon gar nicht besser, wenn sie dafür das Bild der heilen Großfamilie besetzen und Frauen wie Ursula van der Leyen, die wirklich respektabel den Spagat zwischen Familie und Beruf schaffen und sich dabei auch noch offensichtlich selbst verwirklichen, als Monster darstellen, die ihre Kinder seelisch vergewaltigen!

Kinderbetreuung kann ausfüllend sein, keine Frage, aber kein Kind, das nicht schwerstbehindert ist, braucht eine 24-Stunden-Betreuung!

Reden wir noch über ein anderes Thema: Geld als Unterstützung vom Staat. Es ist ja anscheinend inzwischen Konsens, dass Kinder nur geboren werden, wenn der Staat Betreuungsplätze und Geld als Gegenleistung bietet. Wieso dann schon vor dem Zweiten Weltkrieg Kinder geboren wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, aber man kann ja auch nicht alles wissen…

Was ist das für ein seltsamer Ansatzpunkt? Gibt es wirklich jemanden, der sich hinsetzt, herumrechnet und dann sagt: „Ja, Schatz, wir können uns ein Kind leisten, du brauchst es doch nicht abtreiben!“ Ich kann es mir nicht vorstellen – und wenn doch, ist es für das Kind besser, nicht geboren worden zu sein. Das muss ja schrecklich sein, wenn die Eltern im Kopf immer mitrechnen, wieviel sie ihr Kind denn schon gekostet hat.

Wenn meine – imaginäre – Freundin heute kommen würde und mir sagt, dass sie schwanger sei, dann würde ich doch nicht sagen “Hui, da muss ich jetzt ja erstmal berechnen, wieviel Kindergeld und Elternbeihilfe und Bafög uns da zusteht und ob wir uns das leisten können!” sondern: Will ich ein Kind? Will ich jetzt ein Kind? Mit dieser Frau? Kann ich mich, können wir uns darauf einlassen? Was will meine Freundin?

Und dieses fragen, die müssen meiner Meinung nach das Entscheidende sein. Dann gibt es halt kein Elterngeld! Wenn ich das Kind liebe und haben will, dann geht das schon irgendwie – bei meinen Eltern ging es ja auch! Und das würde ich mir für Deutschland wünschen – dass Kinder endlich wieder als was Freudiges angesehen werden und nicht als ein weitere Posten in der Kosten-Nutzen-Rechnung!

Bei Konna habe ich sogar die These aufgestellt, dass wir ganz ohne Kindergeld besser dastehen würden. Und ja, ich glaube es wirklich! Vielleicht würden sogar noch weniger Kinder geboren als bisher – aber diese würden geliebt werden und durch die Bank Wunschkinder (das muss ja nicht heißen, dass sie geplant waren). Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass ich den demografischen Wandel als weniger dramatisch als gedacht empfinde und denke, dass sich das Problem von selbst lösen wird – durch sinkende Lebenserwartung und Zuwanderung.

Zwar mag es stimmen, dass es Menschen gibt, die sich wegen des Geldes gegen Kinder entscheiden; doch dazu folgende Beobachtung: In Oldenburg waren die Mütter unter Dreißig vom Aussehen her fast immer der Unterschicht zuzuordnen. Mit anderen Worten: Frauen, die eindeutig nicht arbeiten und teilweise aussahen, als ob sie sich nicht wirklich sicher sein konnten, ob beide Kinder vom gleichen Vater stammen.
Ganz anders Dresden: Nicht nur, dass die TU als die kinderfreundlichste Universität Deutschlands gilt – hier sehe ich erstens viel mehr Mütter unter Dreißig und zweitens viel mehr Studentinnen und Angestellte mit kleinen Kindern. Es ist doch komisch, dass ausgerechnet in einem Bundesland, indem es jahrzehntelang ganz selbstverständlich Einrichtungen gab, die die Kinderbetreuung für arbeitende Frauen übernahmen, soviel mehr junge Eltern gibt, als in solchen, in denen die Familie noch hochgehalten wird, wie z.B. Bayern…

7 Antworten to “Ich war im Kindergarten – und meine Eltern lieben mich trotzdem!”

  1. Lucky#Slevin Says:

    Also ich muss mal hier anhalten um zu applaudieren; du hast dich echt großartig formuliert und obwohl ich nicht zu hundert Prozent deine Meinung teile, finde ich es echt gut, wie du dich geäußert hast.

    Es gibt eine Sache, die ich gerne ansprechen würde, obwohl natürlich dein Beitrag viel Diskussionsraum bietet (ich werde bei Gelegenheit auch Konnas Beitrag noch nachholen): Nämlich die Sache mit dem Kindergeld. Du hast natürlich recht- welche Eltern stellen sich die (in so einer Situation vollkommen irrationale) Frage, wie viel ihr Zufallskind wohl kosten könnte und ob das nicht ein Grund zur Abtreibung wäre? Aber es nunmal leider so, dass Frauen, besonders Frauen, die auch auf Arbeit angwiesen sind, aus welchen Gründen auch immer, eben genau dieses Kindergeld brauchen, und vor allem das Recht, ihr Kind auch während dieser Zeit (gerecht) unterbringen zu können. In diesem Sinne blicke ich auch gerne mal nach Frankreich, wo es für Frauen viel leichter ist, sich für eine Familie zu entscheiden- es gibt Mutter-Kind-Tage, also einen bezahlten Werktag in der Woche, wo die Mutter weniger arbeiten muss um dann die Zeit mit ihrem Kind (wobei, auch sonst irgendwie) zu verbringen. Es gibt bei mehr Kindern auch mehr Kindergeld, in den meisten Betrieben auch Kinderbetreuungen.

    Ich sehe es zwar so, dass man so viel Zeit wie MÖGLICH mit seinen Kindern verbringen sollte, und diese nicht einfach abschieben; aber wenn es eben anders nicht geht, hat das wirklich nichts damit zu tun, wie sehr man sein Kind liebt.

    Aber da gäbe es ja noch das Thema: Rücklauf der Geburtenrate. Ja, hm. Woran könnte das wohl liegen? Anscheinend wird es ja immer schwieriger, Kinder in die Welt zu setzen- eventuell kommt man wirklich nicht umhin, so eine Frage zu stellen wie „SCHEISSE, kann ich da überhaupt noch eine Existenz für die Familie aufrecht erhalten bei so und so vielen Kindern?“, und dann ist meistens nicht mal der Kindergartenplatz sicher… auch hier ist in Frankreich das Problem nicht so krass wie bei uns.

    Im Grunde genommen ist es aber eine mentale Einstellung, vor allem in Bezug auf Frauen und Karriere: Auf dem Höhepunkt der Emanzipation und Gleichberechtigung (ohne das jetzt abwertend zu meinen) stehen Frauen genauso unter Druck, einfach ALLES managen zu können: Am besten ein Brett sein, zwei wunderschöne Kinder die man zwischen 25 und 30 Jahren bekommt, und eine immer bessere Karriere. Wenn Daddy auch noch schaffen geht gibt es noch die Frage des Haushaltes, und wenn die Karriereleiter noch weiter heraufführen soll dann hört das einfach nie auf… wie soll eine Frau, und jetzt im worst case, alleinerziehend, das alles hinbekommen ohne sich zu denken „Hallo, will mir mal jemand helfen?“

    … das denke ich mir jedenfalls. Ich möchte auch früh Kinder kriegen, aber ich möchte genauso studieren und zumindest ein gutes Gehalt bekommen (können). Das wird mich niemals davon abhalten, Kinder zu kriegen, und natürlich liegt es auch an der Situation- aber es macht die Sache viel schwieriger, als sie evtl sein müsste, besonders wenn ich mich dann auch noch vor irgendwelchen Vollspasten rechtfertigen muss, warum mein Kind denn fast den ganzen Tag im Kindergarten verbringt; tja, das könnte daran liegen, dass mein geliebtes Kind gerne mal mehr als nur ne Scheibe Toast zum Abendessen haben möchte!

  2. In Thüringen wiederum haben das viele Frauen mit dem Kindergarten falsch verstanden und ihre Kinder in irgendwelchen Blumentöpfen verbuddelt.

    Also, was ich damit sagen will ist, dass es da einen Denkfehler gibt, nämlich den, dass Eva Herman etc. die „Liebe der Mutter“ als eine Konstante ansehen. Die ist fest, und die sorgt für das Kindeswohl. Ich will ganz ehrlich sein: Ich war ganz froh, als dieser mütterliche Erziehnungsspuk bei mir ein Ende hatte (so mit 12) und ich mich selber um meinen Kram kümmern konnte. Bzw. wurde auch da die Erziehnungsaufgabe von öffentlicher Seite teilweise übernommen. Und das war okay. Auch bei der Früherziehung. Da war ich ganz normal im Kindergarten vormittags, so wie eigentlich doch jedes Kind. Ich verstehe da jetzt den Streitpunkt nicht so richtig.

    So wie ich das verstanden habe, befürchten da einige, dass bei einer KiTa die Erziehung komplett in die Hand des Staates gelegt wird. Als ob die Eltern dann nichts mehr mit dem Kind am Hut hätten. Aber das ist doch Bullshit. Selbst bei einem langem KiTa-Tag sieht man die Eltern doch noch genug, um Bezug aufzubauen. Aber die sehen da halt dieses Schwarz-weiss-Bild.

    Es ist ja nicht so, dass von der Leyen eine KiTa-Pflicht einführen will, oder? Sie will bloß die Möglichkeit geben, dass jeder die Chance auf Hilfe des Staates bei der Erziehung hat. In der heilen Welt finanziell gut ausgestatteter Familien scheint das ja nicht nötig zu sein, aber bei vielen, vielen anderen eben doch. Und ganz ehrlich, ich halte es für keine gute Idee, die Eltern vor die Wahl zu stellen, Kind in die KiTa oder Bares auf die Kralle. Ich hab doch Supernanny gesehen, ich kenn mich doch aus!!1 Nee, quatsch, aber so läuft es doch. Ist halt immer eine Gratwanderung. Ich wäre auch dagegen, das Kindergeld ganz abzuschaffen und stattdessen nur noch Gutscheine für all möglichen Scheiss rauszurücken, das ist alles viel zu absolutistisch.

    Also wenn’s nach mir ginge, sollten einfach mal allesamt den Stock aus ihrem Arsch ziehen und den Frauen, quatsch, den Familien selbst überlassen, wie sie ihre Kinder erziehen. Dazu gehört, dass die Familien die Möglichkeit haben, ihre Teppichratten in der KiTa unterzubringen UND DA HAT DANN GEFÄLLIGST AUCH KEINER REINZUQUATSCHEN weil das immer eine Einzelfallentscheidung ist und man nicht in die Menschen hineingucken kann. Da kann man nicht sagen „Mutter, kümmer Dich selber“. Eva, Du kennst die Mutter doch garnicht.

    Das ist letztlich die Freiheit der Erziehung, aus der ja erst die Vielfalt an Menschen ensteht. Weil jeder irgendwie anders erzogen wurde. Manche von der lieben Mutti mit Schürze, manche im Heim, manche als Schlüsselkinder und was weiss ich. Warum wollen das einige zentralisieren? Da kriegt man ja Angst.

  3. @Sara:

    Danke für den Applaus!

    Zum Geld: Wenn der Staat statt Kindergeld an Alkis auszuzahlen dafür Betreuungsmöglichkeiten schaffen würde, wäre auch keiner auf Kindergeld angewiesen – so ist meine Logik. Allerdings verhindert das in der Tat, dass sich jemand um Kinder kümmern kann, der eigentlich möchte, aber ein 400-Euro-Job ist normalerweise auch keine Vollzeitstelle und meines Wissens nach ist Kindergeld 150 €, also deutlich weniger.

    Für deinen letzten Absatz möchte ich dich gerne umarmen, denn das Leben ist kein Ponyhof und auch wenn ich es gerne möchte – meine Ideen sind und bleiben naiv und unpraktikabel.

    @Sebastian:

    Ach, sei doch nicht so naiv; wenn jeder machen dürfte, was er wollte, wäre das ja fast sowas wie eine liberale Demokratie. Und das kann ja nun niemand wollen…

  4. Wenn auch etwas verspätet:

    Eine interessante Diskussion, lesenswert, auch wenn ich sie teilweise als etwas weltfremd empfinde… aber es kann durchaus möglich sein, dass meine Sicht der Dinge durch ein Leben voller ‚Dinge die anders geplant waren‘ beeinflußt wurde…

  5. Da würde mich ja glatt deine Sicht der Dinge interessieren – schon allein, weil du ja auch ein paar Jährchen mehr als wir auf dem Buckel hast…

  6. @ MuGo

    Sehr nett formuliert, sehr galant^^ und gleich vorweg eine Entschuldigung für die Länge des Kommies, ich bin ne Frau, ich kann nicht in prägnant. Für mich stellt sich grundsätzlich nicht die Frage nach einem oder zehn Kindern, sondern nach der gesellschaftlichen Situation in der man die Kinder bekommt. Ich denke die Mutterkreuzritterin Eva ist lediglich Auslöser, nicht mehr Diskussionspunkt selbst.

    Ich wird den Teufel tun, die Kinderverwahrung anzuprangern – natürlich ist es prima, das Kind ne Weile aus dem Haus zu haben und Dinge für sich selbst zu tun zu können, egal ob Arbeit, Freiraum oder was immer. Eine hauchfeine Differenzierung entsteht für mich an Punkt Kinderbetreuung und Kindererziehung. Imho ist die Erziehung eine Sache, die Frauen, Männer, Familien niemals aus den Händen geben und damit vor allem auch aus den Augen lassen dürfen… die Tatsache, dass dies oft bei der Abgabe von Kindern quasi versehentlich und aus Unachtsamkeit geschieht, ist mE mindestens einer der Gründe für seltsames Verhalten bei Kids. Mein Thema in diesem Zusammenhang ist eher die Auseinandersetzung mit dem Kind, die auch mangels gemeinsamer Zeit zu kurz kommen kann ( nicht muss, ist klar ). Die Art und Weise, in der ihr miteinander und mit gegenseitiger Kritik umgeht, zeigt das ihr nachdenkt – ich setze das aber nicht voraus. Die meisten Kinder haben rein statistisch keine akademisch oder zumindest intellektuell geschulten Eltern, eure Kinder werden allein durch euren Geist, eure Bildung und eure Ausgangssituation schon einen völlig anderen Start in die Erziehungsarbeit haben als die meisten ihrer Altersgenossen. Viele, viel zu viele Mütter sind einfach nur froh, wenn die Kids aus dem Haus sind und sie sind zT auch nicht in der Lage wirklich zu hinterfragen, was die Fremdbetreuung in ihrem Kind verändert, an Grundlagen legt oder welche Ideale vermittelt. Ihr werdet das vermutlich tun.

    Du hattest Vorteile, die sich andere Kinder nicht mal vorstellen können und trotzdem stellst du zu Recht die Frage: „Ist es Liebe, sich selbst aufzugeben und etwas zu machen, auf das man keine Lust hat, nur weil man jemandem etwas vorspielen möchte, was man selbst gar nicht will?“… Ich vermute deine Mum hat eine Arbeit, die für sie eine gewisse sinnstiftende Realität schafft, sie beherrscht ihren Job, sie liebt das was sie tut, sie ist mit sich selbst zufrieden. Für viele Frauen ist das nicht die Normalität, sie arbeiten in einem Job, der sie nicht ausfüllt, der keine Perspektiven bietet, ein Job der getan werden muss um Geld zu verdienen – fürs Haus, fürs Essen und meist nicht zuletzt für einen gewissen Lebensstandard, den man einem Kind, das man liebt auch bieten will. Sie werden nicht gefragt, ob sie es wirklich geil fanden nach der Hauptschule Bäckereifachverkäuferin zu werden. Die Mädels arbeiten nicht beim Schlecker weil das ein super Arbeitgeber ist und sie intellektuell fordert, die arbeiten, weil sie es tun müssen.

    Dieses Thema hängt ganz eng mit Geld zusammen… ihr werdet wahrscheinlich Berufe ergreifen, die euch und euren Kindern ein gutes Leben ermöglichen werden, manche Menschen müssen wirklich durchrechnen, ob sie sich ein Kind leisten können. Nicht wegen dem nächsten Urlaub, sondern weil das gesamte Familieneinkommen keine 1400 € beträgt und wenn da ein Einkommen wegfällt ist Polen offen und eine 3-Zimmer-Wohnung eine Illusion. Unmöglich das mit der Situation vor dem WK II zu vergleichen, meine Großeltern erzählen Geschichten aus einer anderen Welt, nicht nur aus einer anderen Zeit…

    Die Idee aufs Kindergeld zu verzichten hat was, aber Kinder kommen trotzdem ungewollt – es gibt tatsächlich Frauen ( die viel bemühte Unterschicht tut sich da besonders hervor ) genug, die ausversehen schwanger werden und es nicht schaffen dann abzutreiben. Herzlich willkommen dem Wunschkind… Finanzieller Druck, Perspektivlosigkeit und Zukunftsangst macht Menschen mürbe und irgendwo muss die Frustration hin. Mit weniger Geld kann man das Problem nicht lösen, denke ich.

    Lucky#Slevin schreibt sehr passend: ‚sie möchte das’… und das ist der Punkt… sie hat die Wahl, wie jede von uns. Bei aller Liebe, Männer können zwar ihre Meinung dazu sagen, aber die wirkliche Entscheidung wird sie selbst treffen müssen, ganz alleine… weil sie weiß, dass Männer nicht unbedingt bleiben, Kinder schon. Auch so eine Sache, die sich in unserem weiblichen Bewusstsein verändert hat.

    Ich hatte diese Wahl auch, ich hab gedacht ich mach erst mal Karriere. Ich konnte kaum wissen, dass eine Krankheit eine Schwangerschaft längere Zeit verhindern würde. Es kam die Erkenntnis, dass es so keinen Sinn macht und angefangen anderen zu helfen, statt mir selbst auf meine Kompetenz einen runterzuholen. Ich geh seither zufrieden heim, aber nicht grade reich. Ich hatte wieder die Wahl, ich hab mir gesagt, schau mer mal, vielleicht, wenn mal Kohle da ist, ich will wenigstens ein bisschen was fürs Kiddie über haben. Ich konnte nicht wissen, dass mein Mann sterben würde. Heute bin ich an genau diesem Punkt: Ich weiß um die Probleme die ein Kind mir machen würde, auf welchen Teil meiner ausgelebten Neigung ich verzichten müsste, das mein Kind ab und an kein Taschengeld bekommen würde. Ich könnte mein Leben, essentielle Teile meiner Persönlichkeit, nicht so leben wie jetzt. Ich verstehe viele Zusammenhänge, die ich früher nicht gesehen und vor allem nicht für mich relevant betrachtet habe. Ich verstehe mich selber, liebe mich, mein Leben und meine Art glücklich zu sein. Ich weiß aber auch, wie wunderbar und einzig das Gefühl ist, jemanden anderen bedingungslos zu lieben. Könnte ich für diese Art von Liebe auf mein heutiges Leben verzichten oder kann ich einem Kind zumuten mit meinem unangepasstem Leben zurecht zu kommen? Und immer noch habe ich die Wahl… in einer anderen Gesellschaft hätte ich diese Wahl evtl. schon längst getroffen.

  7. Sehr schöner Kommentar, den lassen wir doch einfach mal so stehen…

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