Schuld (nach Celan)

Dieses Gedicht ist eine Adaption von Paul Celans “Todesfuge“, meinem Lieblingsgedicht. Es ist sozusagen meine Position zur Schuldfrage und wie wir mit dem Holocaust umgehen sollten – nicht verdrängen, sondern als Teil unserer Geschichte akzeptieren. Ohne Schuldgefühle, aber mit Respekt vor den Opfern!

SCHULD (NACH CELAN)

Schwere Schuld der Väter wir spüren sie abends
wir spüren sie mittags und morgens wir spüren sie nachts
wir spüren und spüren
sie ließen schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der kennt nicht die Schlangen der denkt
der denkt wenn es dunkelt an Deutschland dein aschenes Haar Margarete
er denkt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Sorgen hinfort
er pfeift sich die Freuden herbei kehrt ein in der Schenke
und denkt sich spielt auf nun zum Tanz

Schwere Schuld der Väter wir spüren dich nachts
wir spüren dich morgens und mittags wir spüren dich abends
wir spüren und spüren
Ein Mann wohnt im Haus der kennt nicht die Schlangen der denkt
der denkt wenn es dunkelt an Deutschland dein aschenes Haar Margarete
Ein Handschuh vom Haar Sulamiths sie ließen schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Er ruft ich wills nicht mehr hören ihr einen ihr anderen singet und spielt
er greift nach dem Büchern in Leinen schließt sie seine Augen sind blau
ich weiß doch schon alles ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf

Schwere Schuld der Väter wir spüren dich nachts
wir spüren dich mittags und morgens wir spüren dich abends
wir spüren und spüren
ein Mann wohnt im Haus dein aschenes Haar Margarete
ein Handschuh vom Haar Sulamiths der kennt nicht die Schlangen

Er ruft spielt süßer die Schuld der Tod war ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht heller die Geigen denn ihre Schuld ist nicht mein
dann habt ihr ein Grab in meinem Herzen da liegt es sich eng

Schwere Schuld der Väter wir spüren dich nachts
wir spüren dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir spüren dich abends und morgens wir spüren und spüren
der Tod ist kein Meister aus Deutschland mehr sein Auge war blau
er traf dich mit bleierner Kugel er traf dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein aschenes Haar Margarete
er denkt immer an euch er schenkt euch ein Grab in seinem Herzen
er kennt nicht die Schlangen und träumet der Tod wär ein Meister aus Deutschland

dein aschenes Haar Margarete
ein Handschuh vom Haar Sulamiths

Eine Antwort to “Schuld (nach Celan)”

  1. Wir denken in den selben Bahnen,
    über unsre nie vergessenen Ahnen… oder so.

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