Urban Chaos

Urban Chaos

Sebastian durfte sich was wünschen und hat weise entschieden: Ich soll eine Spielrezension schreiben. Und das ist machbar – auch wenn ich bestimmt seit einem Jahr kein „richtiges“ Spiel mehr gespielt habe.

Erst war ich kurz am Überlegen, ob ich eventuell MineSweeper rezensieren sollte – aber das erschien mir dann doch zu fies. Eigentlich kommen sowieso nur drei Spiele wirklich in Frage: Half-Life, Anstoß 3, AoE II. Das sind die drei Spiele, die ich am meisten gespielt habe. Aber weil ich in alle schon seit langer Zeit nicht mehr reingesehen habe – in Anstoß zum Beispiel nicht mehr, seitdem die Fanerweiterung mit den aktuellen Daten verboten wurde – nehme ich nun doch ein Spiel, dass ich vor noch gar nicht so langer Zeit zum letzten Mal gespielt habe und das relativ unbekannt scheint: Urban Chaos.

Urban Chaos ist ein schon ziemlich altes Action-Adventure. Es ist in den USA 1999 für den PC rausgekommen, Versionen für PlayStation und Dreamcast folgten 2000. Laut Wikipedia ist seine totale Erfolgslosigkeit darauf zurückzuführen, dass so gut wie keine Werbung geschaltet wurde.
Ansich ist diese Erfolgslosigkeit schade, denn das Spiel ist zwar weder in graphischer noch in Steuerungsfragen besonders innovativ gewesen, aber es ist keineswegs schlecht. Ich schätze es auf der Höhe seiner Zeit ein. Nur hätte man eben auf die Darstellung zweidimensionaler Objekte in einer dreidimensionalen Umgebung verzichten sollen, wenn man sie nur als schwarze Blätter mit „Aufdruck“ darstellen kann. Klingt jetzt kryptisch, aber wenn ihr das Spiel einmal spielen solltet und zum ersten Mal das Herbstlaub seht, versteht ihr, was ich euch sagen will.

Kommen wir nun also zur Story: D’arci Stern, Tochter eines erfolgreichen Polizisten, möchte Polizistin in Union City werden. Ihre ersten (Trainings)missionen bestehen also folgerichtig darin, die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Doch schon im Intro, dass an Sylvester 1999 stattfindet, wurde uns klargemacht, dass D’arci im weiteren Verlauf der Geschichte nicht bloß alten Mütterchen über die Straße helfen wird. Trotzdem beginnt ihre Polizistenkarriere langsam. In einem kleinen Stadtviertel muss sie am Anfang für Ruhe sorgen und dabei Gangmitglieder verhaften oder Selbstmörder vom Dach holen. Doch irgendwann tritt Roper in ihr Leben – Roper, der sie zu kennen scheint und ihr nicht nur mehr über die ihr Stadtteil überlaufende Gang, die Wildcats, was erzählen kann, sondern auch tatkräftig mitmischt bei deren Rückschlagung.

Nur durch Ropers Hilfe schafft D’arci es, nicht nur zur Spezialistin für die Wildcats zu werden, sondern auch oft die entscheidende Nasenlänge vorraus zu sein. Immer mehr stellt sich heraus, dass Bane, der Kopf hinter den Wildcats nicht nur mächtig im herkömmlichen Sinne ist. Und spätestens im vorletzten Kapitel versteht jeder, was es mit dem Nostradamus-Zitat am Anfang auf sich hat…

Zur Steuerung: Die Steuerung war für mich absolut in Ordnung – etwas, was sehr selten ist. Denn obwohl meine normale Counterstrikebelegung auch hier gute Dienste leistete – Urban Chaos ist nicht nur dumpfe Ballerei. Man muss häufig genug ohne Waffe starten und sich erstmal mit Tritten und Schlägen behelfen. Die Waffen beschränken sich auf Messer, Baseballschläger, Pistole, Schrotflinte und – ganz selten – Minen und Maschinengewehr; ich finde das allerdings gut – schließlich muss man sich so auf sein Geschick verlassen und ich habe des Öfteren auch ohne Schusswaffen gute Kämpfe abgeliefert. Die Tritt- und Schlagkombination sind so simpel, dass sie selbst einem Kombinationslegastheniker (das ist auch der Grund, warum ich Spiele wie FIFA scheiße finde…) erlernen konnte. Übrigens wird Urban Chaos in der Dritten Person gespielt – was neben der Grafik auch den anderen Minuspunkt einhandelt: Manchmal ist aufgrund der Kartenführung kein Perspektivwechsel bei Kampfszenen möglich; das erschwert die Orientierung hin- und wieder ungemein.

Überhaupt ist das ganze Spiel in meinen Augen kurzweilig: Nicht nur sind die Aufgabenstellungen immer verschieden, sodass man nie das Gefühl bekommt, es mit einem simplen Jump & Run mit eingefügten Kämpfen zu tun zu haben. Manchmal muss man einen Selbstmörder vom Dach holen, mal Indizien für einen Mord sammeln, dann wieder in ein schwer bewachtes Anwesen eindringen. Einmal schlüpft man sogar in die Rolle Ropers, um D’arci zu befreien. Die Missionen sind also wirklich kurzweilig. Und noch besser: Die Gegner machen mit! Leute, die man finden soll, laufen eher weg, als sich einem Kampf zu stellen; andere machen es sich zu nutzen, wenn man gerade in eine andere Richtung guckt – ohne, erst einmal auf sich aufmerksam zu machen. Zwar bestehen die meisten Kämpfe schon daraus, dass ein Gegner auf einen zuläuft und zwei gezielte Pistolenschüsse ihn noch vor dem Eintreffen töten – aber gerade in Missionen mit knapper Munition kann es schon einmal zu einem Kampf drei gegen eine kommen, der mit Fäusten und Tritten bestritten werden muss…

Auch die verbündeten Bots sind realitätsnaher als zum Beispiel bei Half-Life. Während man bei Half-Life einfach einen Wachmann mitnehmen musste, damit dieser beim nächsten aufeinandertreffen mit Monstern wild drauflosschießt und somit womöglich noch das eine oder andere erledigt, bevor er sich selbst in die ewigen Jagdgründe verabschiedet, sind die Bots bei Urban Chaos nicht nur verlässlich an der eigenen Seite, sondern agieren auch nach dem Motto „Selbstschutz geht vor!“ und gerade einfache Streifenpolizisten fliehen auch schon mal, bevor sie sich umbringen lassen.

Insgesamt ein schönes Spiel, dass einen gewissen Spielspaß bietet und auch gerade in der deutschen Synchronisation gefällt. Es kann natürlich nicht mit GTA3 und den Nachfolgern mithalten – aber für ein nettes Retrospiel von 1999 ist es auf jeden Fall großartig!

Hinweis: Das Spiel hat nichts mit Urban Chaos Riot Response zu tun.

Links:

Urban Chaos bei Wikipedia

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Urban Chaos in der PC Games

10 Antworten to “Urban Chaos”

  1. Hm, ich hab noch nie von dem Spiel gehört… 99/2000, was ich hab ich denn so gespielt? Wahrscheinlich N64.

    Du hast Dich ja mal voll reingehangen in das Thema, da fühl ich mich irgendwie geehrt :-)
    Da Action-Adventure eh absolut mein Genre sind und mein Rechner auch schon über 5 Jahre alt ist, könnte ich ja vielleicht sogar mal einen Blick auf das Spiel riskieren.

  2. Auf jeden Fall kannst du es billig bekommen – und dafür ist es dann wirklich ganz nett.

  3. Stimmt, 84 Cent ist nicht sonderlich teuer :-)

    Andere Frage: Was sind das eigentlich für Personen auf Benutzerbild? Ist das Reich-Ranicki?

  4. Nachdem ich erst eine Weile überlegen musste, was du meinst, kommt jetzt die Antwort: Ich weiß es nicht. Das Bild kam raus als ich bei der Google-Bildersuche “Godfather of table-tennis” eingegeben habe. Anscheinend handelt es sich um den Paten der beiden Mädchen. Ich habe mir aber den Originalzusammenhang nie angeschaut, sondern nur das Bild geklaut. Als ich es später wiederfinden wollte, war es dann irgendwie weg. Aber abgesehen vom StudiVZ ist das mein Standardbild.

  5. Ha! Das Spiel kenn ich sogar. Ich hab da glaub ich mal ne Demo von auf der PS gespielt, als das ganz neu war. Fand das eigentlich ganz witzig, aber gekauft hab ichs mir irgendwie doch nie …

  6. jaaaa, davon hab ich auch die Demo gespielt… Ich glaube mich erinnern zu können, dass mir das Spiel auch Spaß gemacht hat. Würde es gerne nochmal spielen, wenn ich doch nur wieder ein Pc hätte!

  7. Ja-Ha! Ich hab’ es in der Vollversion spielen können (auf PC). Hab ich jetzt gewonnen?
    Ähm, ja. Ich kann dir nur zustimmen, das Spiel ist spielenswert, wobei ich sagen muss, dass ich damals mit meinen zarten *rechne* 10/11 Jahren bei einer der letzten Missionen nie weiterkam. Daher habe ich es nie durchgespielt, vllt sollte ich das Spiel demächst mal rauskramen.
    Also besonders anspruchsvoll kann es ja nicht sein, da ich damals eben ganz gut damit zurecht kam. Aber ich erinnere mich daran, dass der von die angesprochene Perspektivwechsel nicht möglich war ( was das Spiel an einigen Stellen geringfügig erschwerte), ansonsten war mir die Grafik eig. nicht so wichtig. Ich fand’s u.a. auch toll, dass die Hauptperson mal kein Mann war und ich mich daher mit der Protagonisten identifizieren konnte – man beachte auch hier wieder, dass ich damals 10/11 war.

  8. Ach, ich würde nicht sagen, dass es nicht so anspruchsvoll gewesen sein kann. Also ich kann sagen, dass ich so mit 10-15 besser gespielt habe als heute, weswegen ich heute lieber ruhigere Spiele mag ;-)

  9. the_turkish_boy2 Says:

    Ich liebe diesen spiel so sehr, dass ich es sogar immernoch spiele.
    Nur das nachteil ist, eben wie du es erwähnt hast die Härbstblätter. Die hätten sie ruhig weglasen können.

    Mein einziger wunsch ist zu diesem Game, das sie das noch einmal machen nur z,B gta4 grafik und noch ein paar features mehr.

  10. Hey Leute!!
    Das Spiel ist echt toll : )
    Nach Jahren hab ich es mal wieder ausgepackt um es durchzuspielen.
    Hat aber nicht geklappt! Vlt kann mir ja hier jemand sagen wie die Mission mit den Brennstofflagern geht, müsste die letzte sein. Wäre total lieb!!
    lg!

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