Das Buch war aber viel besser…

Nachdem ich gerade herausgefunden habe, dass ich wie Helen Hunt aussehe und amerikanische Wissenschaftler per Telefonkette bewiesen haben, dass es ein Gen für Schlechten Umgang gibt, muss ich mich nun den weniger schönen Dingen des Lebens zuwenden. Heute muss ich nämlich wirklich mit dem Packen beginnen…

Vorher aber noch schnell ein Eintrag in der Kategorie Die Fünferbande. Diesmal lautet das Thema „Das Buch war aber viel besser…“ und es geht um Filme, die mit ihren literarischen Vorlagen außer dem Titel nicht viel gemeinsam haben.

5. Das Geisterhaus

Wieso man aus diesem Buch einen Film gemacht hat, verstehe ich nicht. Das wäre eher etwas für eine mehrteilige Fernsehserie gewesen, weil die Story so komplex und langwierig ist. Weil man aber anscheinend unbedingt einen Hollywoodfilm aus diesem wahrscheinlich besten Buch aller Zeiten machen wollte, musste man sich anderer Mittel bedienen – und hat einfach eine komplette Generation gestrichen – ganz abgesehen von den ganzen Geschehnissen vor der ersten. Aber statt des Übergangs von Clara auf Blanca auf Alba gibt es im Film nur Clara und ihre Tochter Blanca, die auch Züge von Alba hat. Somit ist zwar die wichtigste Geschichte gerettet und auch ziemlich gut umgesetzt – die ganzen detailreichen Erzählstränge, die dieses Buch aber zu einem Lesevergnügen gemacht haben, sind verschwunden. Deswegen Platz 5 in dieser Liste.

4. Winnie, the Pooh

Auch hier wurden die Geschichten beigehalten – aber was hat Disney aus dieser Vorlage gemacht! Eben typisches Disney-08/15. Bah! Da bleibe ich lieber beim Original, dem besten Kinderbuch aller Zeiten. Ich empfehle übrigens die englische Originalversion, obwohl die deutsche Übersetzung von Harry Rowohlt auch Charme hat…

3. Forrest Gump

Während der Film den unaufhaltsamen Aufstieg eines Mannes zeigt, der eigentlich zum Verlieren bestimmt ist, ist das Buch eine Satire auf den amerikanischen Traum. Forrest Gump ist hier keineswegs eine sympathische Figur, sondern wird nur genutzt, weil ein Idiot eben einige Sachen anders sagen kann als eine smarte Hauptfigur. Warhols fünf Minuten Ruhm werden gnadenlos auf die Schippe genomen und die anderen Hauptfiguren aus dem Film treten nur in kurzen Sequenzen auf (Forrests Mutter, seine Freundin, Bubba). Dafür gibt es einige Episoden, die wohlweislich nicht in den Film aufgenommen wurden, weil sie ihn für die Rechte unsehbar gemacht hätten – z.B. seine Filmkarriere in Hollywood oder sein Flug in den Weltraum mit einem Versuchsschimpansen. Insofern: Das Buch ist ganz anders – es ist ebenfalls unterhaltsam, aber wenn man den sympathischen Forrest vor Augen hat, wirkt es doch ein bisschen surreal…

2. Children of Men

Children of Men ist für mich neben Harrison’s Flowers einer der eindrücklichsten Anti-Kriegsfilme überhaupt, die diese Bezeichnung wirklich verdient haben. Der Film ist nicht unbedingt herausragend, aber das Universum spannend und die Intention kommt sehr stark rüber.
Deswegen bin ich auch ein bisschen über das Buch überrascht gewesen – denn es hat so gut wie gar nichts mit dem Film zu tun. Die Story ist anders, die Figuren, sofern sie denn im Buch überhaupt vorkommen, haben andere Charaktere, die ganze Umwelt ist eine viel friedlichere. Es würde zu weit führen, jetzt eine Abhandlung über das Buch zu schreiben, nur so viel: Das Buch war Anfang der Neunziger sicherlich interessant – aber der Film hat es in die Neuzeit angepasst. Man könnte auch sagen: Die kurze Phase zwischen 1989 und 1991, als der Ostblock langsam auseinanderfiel und der Jugoslawienkrieg noch nicht begonnen hatte, scheint auf die Autorin dermaßen friedlich gewirkt zu haben, dass sie eine viel zu friedliche Zukunftsvision entworfen hat; mit unserer heutigen Erfahrung wirkt der Film um einiges realer…

1. Schindlers Liste

Schon allein deswegen auf Platz Eins, weil die Buchvorlage ein Sachbuch ist. Übrigens ein sehr gutes, wie ich finde…

4 Antworten to “Das Buch war aber viel besser…”

  1. Ich wusste garnicht, dass es von Forrest Gump auch ein Buch gibt. Wieder was gelernt.

    Children of men habe ich mir immer mal vorgenommen zu lesen. Den Film fand ich nämlich absolut beeindruckend und es war für mich der beste Film 2006. Lohnt sich die Anschaffung?

  2. Jein.

    Ich habe mir das Buch auch gekauft, weil ich den Film total genial fand und einfach mehr über dieses Universum erfahren wollte bzw. mir vorstellen konnte, dass das Universum um die Geschichte ziemlich viel bieten kann.

    Ich bin nicht wirklich enttäuscht worden, weil das Buch eben geradezu eine neue Geschichte ist, die mit dem Film nur die Unfruchtbarkeit als Hintergrund für die Story gemein hat. Insofern war es eben eine neue Geschichte, in der es um einen 50 Jahre alten Mann namens Theo geht. Ansonsten sind die ganzen anderen Charaktere total umgearbeitet und es geht vielmehr um die Beziehung zwischen Theo und seinem Cousin, den Diktator von England. Außerdem herrscht keine Anarchie.

    Was ich aber an dem Buch störend fand – es ist im Gegensatz zum Film ziemlich ruhig und langsam. Es zeigt eben eine Zukunft, die nicht mehr mit unseren heutigen Phantasien und Ängsten korreliert. So gesehen ist es eher interessant, wie sich in 15 Jahren unser Weltbild vollständig gewandelt hat. Aber uneingeschränkt empfehlen kann ich es deswegen nicht. Mein Tipp: Leih es die in der Bücherei aus – dann ist es nicht so schlimm, wenn du merkst, dass du keinen Bock drauf hast.

  3. larsschiefelbein Says:

    ich denke soloalbum ist auch ein sehr gutes beispiel, dass es film nicht immer der buchvorlage entspricht. es fängt schon damit an, dass das buch in hamburg der film aber in berlin spielt. und auch ansonsten hat der film nicht viel mit dem buch zu tun

  4. Da ich Soloalbum weder als Film gesehen noch als Buch gelesen habe konnte ich es logischerweise nicht mit aufnehmen.^^

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