Warum blogge ich?

Diese Frage hat dieser Post aufgeworfen. Denn wenn ich Saras Wut so lese, kann ich bei vielen Sachen sagen: Genau, das kotzt mich an vielen Blogs auch an! Aber bin ich besser?

Hm, teils-teils. Ich bin kein Blogroll-geiler Blogger. Das kann ich mit Fug und Recht von mir behaupten und als einer der ganz wenigen Punkte hat sich dies in den gerademal neun Monaten nie geändert. Ich verstehe es nicht, warum ich um die Aufnahme in eine Blogroll betteln sollte und wenn jemals einer einen Kommentar geschrieben hätte: „Toller Blog, ich habe dich auf meiner Blogroll verlinkt und würde mich sehr freuen, wenn du mich auch verlinken würdest.“ – dann hätte ich mir nur gedacht: „Wie gut, dass du den Konjunktiv benutzt, den Indikativ wirst du nämlich nie erleben!“ Wenn ich lese, was Sara für Mails erhält, bekomme ich das Kotzen! Es ist armselig um Aufnahme zu winseln und es erfüllt auch überhaupt nicht den Sinn einer Blogroll, so wie ich sie verstanden habe. Denn ich habe auf meiner Blogroll nur Blogs verlinkt, die ich selber besuche und für so herausragend halte, dass ich gerne andere darauf aufmerksam mache – auch wenn sich das Interesse meistens auf Fotzenalarm reduziert. Aber wenn hinundwieder für Paul oder Sebastian auch mal der ein oder andere Zufallsbesucher abfällt, der sich längerfristig einrichtet – dann hat die Blogroll meines Erachtens ihren Soll erfüllt. Wenn sie das nicht tun sollte – ihr wisst nicht, was euch entgeht. Und wenn ich irgendwann feststelle, dass ein Blog für mich überhaupt nichts mehr bietet, dann wird er eben wieder entfernt. Kurz und schmerzlos, ohne Komentar oder Hinweis. Und das erwarte ich auch für den Umgang von Anderen mit meinem Blog. Wenn sich die so genannte Blogosphäre irgendwie von anderen Internetbestandteilen unterscheiden sollte, dann doch darin, dass es sich um persönliche Netzwerke handelt, die statischen mit beweglichem Content verknüpfen. Und an einer Blogroll, auf der jeder Hans und Franz steht, der mich auch mal verlinkt hat, ist nichts persönlich, dass ist nur die Abschrift vom Telefonbuch deiner Heimatstadt – niemand da, der es nicht nützlich findet, aber keiner stöbert darin freiwillig herum.

Ich komme vom Thema ab, denn es geht hier nicht um die Blogroll, sondern darum, warum ich blogge. Ich weiß es selber nicht so genau – und diese Ziellosigkeit merkt man meinem Blog an. Angefangen habe ich ja mit dem Geschmacksdiktator – ganz am Anfang sogar noch auf blog.de -, weil ich darin eine Möglichkeit sah, endlich jemanden Lieder ans Herz zu legen OHNE sich andauernd schon nach einer Sekunde sagen lassen zu müssen: „Mach das weg!“. Das war eigentlich auch die beste Zeit. Dieser Blog lief nebenher, mein eigentliches Anliegen war aber der tägliche Kultur-Tipp. Nur leider schüttelt sich ein Tipp für jeden Tag nicht einmal so eben aus dem Ärmel, denn ein Blog benötigt Pflege und eine gute Schreibe Zeit. Und da kommt dann mein ewiges Dilemma ins Spiel: Ich bin gut im Anfangen, aber wenn es plötzlich ernst wird und die tägliche Routine einkehrt, geht die Motivation schlagartig runter. Das war beim ersten Geschmacksdiktator so, das war beim zweiten Geschmacksdiktator so – auch wenn dort das Konzept von mir falsch angepackt wurde.

Auch dieser Blog, der langsam zum Hauptblog wurde, leidet unter dieser meiner Schwäche. Nicht nur die kleinen und unwichtigen Beiträge, die mehr oder weniger als Lückenfüller auftreten müssen, sind teilweise in einem grausamen Stil geschrieben, weil ich weder Sorgfalt walten lasse noch große Lust habe, die Artikel später umzuarbeiten. Wie gesagt, bei einem Artikel über irgendetwas, was ich gestern gemacht habe, ist das ja auch nicht wirklich schlimm – so was interessiert nicht wirklich und soll auch keinen Anspruch erfüllen. Aber wenn man einen Artikel schreibt über etwas, was einen wirklich beschäftigt, dann denkt man manchmal wirklich: „Hey, das könnte ein wirklich guter Text sein, aber er liest sich nicht gut, weil du wieder zu nachlässig warst!“ Das ich einen Best-of-Tag habe sagt alles – ich finde die meisten Artikel so grottig, dass ich gerade einmal 17 Artikel (inzwischen dürften es aber 19 oder 20 sein – ich muss mal wieder aktualisieren) für lesenswert erachte. Und das bei derzeit über 200 Posts…

Je länger ich an diesem Artikel schreibe, umso mehr bemerke ich, wie mich das eigentlich ankotzt: Nicht, dass so wenig Leute kommentieren, nicht, dass so wenig meine Sachen lesen, sondern dass verdammt noch mal die Schuld bei mir liegt! Ich schimpfe auf diese ganzen kurzlebigen „Hallo Welt, Jacqueline-Chantal hat jetzt auch einen Blog!“-Blogs – dabei fabriziere ich selber einen. Es gibt kein Thema, es gibt keine Substanz und das wenige, was meiner Meinung nach gut sein könnte, verhunze ich noch durch mangelnde Konzentration. Im Endeffekt stehen aufgebrachte Zeit und Ergebnis in keinem Aufwand. Es ist frustrierend, aber nur die gerechte Strafe.

So gesehen ist es vielleicht ganz gut, dass ich jetzt gezwungenermaßen eine Auszeit nehmen muss. Denn nach diesen geschätzten drei Wochen ohne Internet wird sich zeigen: Komme ich wieder zurück zum Bloggen oder dehne ich die Pause selber weiter aus? Ich habe schon einmal vom Aufhören geredet, aber das war ein Kurzschlusspost. Diesmal ist es ernster, weil jetzt die Phase kommt, in der sich zeigen wird, was ich wirklich will: Bloggen oder sinnloses Totschlagen von Zeit? Die werde ich als Student wohl nicht mehr so viel haben (vor allem, wenn ich tatsächlich zwei Sportkurse belegen sollte). Insofern kann der Blog nur bestehen, wenn ich es wirklich will. Und derzeit denke ich, dass ich nicht mehr will.

Nur eins kann ich versichern: Ich werde euch treu bleiben und Das Bierblog ist derzeit auch krisensicher. An beidem habe ich nicht die Lust verloren – es stellt sich nur eben die Frage, ob ich bei bald als ganz normaler Gast kommentiere oder mit einem Hausblog im Rücken!

9 Antworten to “Warum blogge ich?”

  1. Die Blogroll hat so viele praktische Funktionen. Ich nutze sie zum Beispiel als persönliche Favouritenliste, weil das aufrufen von da gemütlicher ist als von meiner Windwos-Favliste. Feedreader mag ich nämlich nicht so gerne (weiss der Deibel warum). Darum schmeiss ich oft Blogs raus, die ich einfach nicht mehr lese, ich orientiere mich ehrlich gesagt wenig daran, was meinen Lesern gefallen könnte. Zum Beispiel habe ich jetzt einen Blog einer Freundin drin, die nach Peru gezogen ist, interessiert sicher keinen, mich schon. Und so zieht es sich durch.

    Dafür, dass Du nicht weisst, warum Du bloggst, hast Du aber ganz schön viel zum Thema zu sagen :-)

  2. Lucky#Slevin Says:

    Mir geht es da genauso wie dir, wir können uns quasi nur gegenseitig auf die Schulter klopfen. Was meinst du, wieso ich schon so viele Blogs gestartet habe? Weil mich das irgendwann ankotzte, ich nicht weiter machen wollte, nicht mehr wusste, was es bringt, blah blah blah. Und spätestens nach 2 Monaten habe ich wieder angefangen.

    Mittlerweile hält sich GMS ganz gut und ich denke nciht dass ich aufhören werde. Das liegt größenteils daran, dass man sich niemals zwingen darf, zu schreiben. Wenn man eben mal 3 Wochen keinen Bock hat, dann lässt man es. Und vielleicht fällt einem irgendwann wieder ein Thema ein. Was mich wirklich aufregt, und da kann ich dich absolut verstehen- man will über etwas schreiben und dann hat man 10 Minuten schon keinen Bock mehr weil’s scheisse ist was man fabriziert. Und man gibt auf. Noch schlimmer? Man hat eine super geile Idee aber ist gar nich am PC, denkt sich “okay, cool, ich schreib das später”, und dann ises nich mehr da. Deprimierend.

    Aber wie gesagt- lass den Blog hier stehen. Deine Leser haben alle RSS feeds, nehme ich an. Wenn es was neues gibt, werden wir hier sein. Und deine Einstellung zum Blogroll teile ich absolut, aber das weisst du ja..

  3. Danke für den Kommentar – es hilft, wenn man weiß, dass es anderen auch so geht. Und ja, das schlimmste sind die Blogartikel, die nie geschrieben wurden, obwohl man sie im Kopf schon perfekt ausformuliert hatte…

  4. Das habe ich abends ganz, ganz oft, dann liege ich so im Bett und komme auf die geilsten Ideen, aber dann kann ich nicht mehr an den Rechner. Am nächsten morgen ist es dann weg.

    Noch schlimmer, wenn man etwas erzählen möchte, aber einfach keine Worte findet. Ich habe schon viele angefangene Episoden in meinem Dashboard, so viel, was ich loswerden möchte, aber dann kommt nur scheisse dabei raus, so Ferienaufsatz-Crap.

    Und darum: Lass Deinen Blog stehen, wer weiss, ob Du nicht irgendwann eine spontane Eingebung hast, die dann weg ist, weil Du erstmal ein neues Blog aufsetzen musstest.

    Mir fällt grade auf, dass ich das gleiche geschrieben habe wie Sara, nur dass ich die beiden Punkte genau andersrum schlimm finde :-/

  5. Ich sag dir nur eins: Wenn du mit dem Bloggen aufhörst, steck ich mir einen Finger in den Po und bin dadurch schneller in Dresden, als du “Analfetisch” schreiben kannst. Und dann, mein herzallerliebster MuGo, gibts ein paar saftige Watschen!

    Natürlich bloggst du weiter, keine Frage! Oder willst du einen kleinen Paul sehr traurig machen? :’(

    Das mit den Artikel kenne ich übrigens auch. Besonders bei solchen, in denen es um Musik gehen soll… Ich kann einfach keine Musik beschreiben, was dazu führt dass diverse Band-Empfehlungen nie geschrieben wurden ;/

  6. Ja, ach ja – wieviel hätte eigentlich einen Geschmacksdiktator-Post verdient! Aber irgendwie wird das nichts mehr – bin immer zu faul, die entsprechenden Links rauszusuchen und überhaupt…

    Aber schön, dass ihr wollt, dass ich weiterblogge. Das ist dann doch schon mal ein Ansporn…

  7. Also ganz ehrlich, meine Blogroll ist zwar ziemlich lang aber es sind all die Blogs die ich auch täglich lese soweit ich dazu komme. Meine Blogroll dient hauptsächlich als kleiner “Notizzettel” am Rande ;) Sonst würde ich die ganzen Adressen ja vergessen^^

    Klar freut man sich wenn man auf anderen Blogs sieht, dass man verlinkt wird. Ist doch super zu wissen, dass es menschen gibt die meinen Blog gerne lesen, meine Zeilen ihnen gefallen und treue Leser werden.

    Aber betteln würde ich da nie oO
    Wie du schon sagtest, ich verlinke sie eben deshalb und weil ich die blogs eben toll finde und mich auch freuen würde, wenn andere auf meinem Blog auch auf diese Blogs stoßen die eben auch sehr interessant sind.

  8. Zu der Blogroll-Sache hab ich ja auch schon mal was gesagt, da ich das so wie ihr sehe, muss ich das glaub ich nicht nochmal groß ausbreiten. War zwar auch mal anders, so zu Beginn meiner Blogger-Zeit, aber da ist man ja auch wirklich froh über jede zur Kenntnis nahme des eigenen Blogs.

    Auch die Probleme mit dem Bloggen kenn ich zu gut – okay, momentan blogge ich relativ viel, was unter anderem daran liegt, dass ich viel Zeit habe. Und mir ist auch klar, dass einiger Kram dabei ist, der es nicht unbedingt wert ist, gelesen zu werden, aber ich denke, man führt einen Blog in erster Linie für sich selbst. Wenn man keinen Spaß an der Sache hat, dann sollte man auch nicht bloggen. Dann ist es eben so, dass auf deinem Blog nicht viel passiert und dann auch die Besucherzahlen für ne Weile zurückgehen. Ich denke, dass fast alle Leute, die dich in der Blogroll haben auch den Feed abonniert haben und dementsprechend sofort aufmerksam werden, wenn was kommt. Das wurde ja aber auch alles schon geschrieben.

    Es ist eben so ein bisschen ein zweischneidiges Schwert. Für die Stammleser und Freunde kommt es mehr auf die Qualität als auf die Quantität an, für eine hohe Besucher-Statistik ist eher das andere der Fall. Das Problem ist nur, dass es nicht sehr motivierend ist, wenn man nur wenige Besucher hat und vor allem nur sehr wenige Kommentare. Lese ich auch so ein bisschen aus deinem Beitrag raus, dass du das schade findest. Wenn ich eine Vermutung anstellen darf, woran das liegen könnte, dann wäre das, dass deine Beiträge einfach inhaltlich sehr fundiert und thematisch oft recht gehaltvoll sind, so dass es für den Durchschnittsleser einfach überaus schwierig ist, dort etwas sinnvolles zu kommentieren, weil man nicht einfach mal 2-3 Sätze da lassen kann und gut, ohne sich vorher informieren zu müssen oder länger überlegen zu müssen. Das spricht eigentlich eher für dich, dennoch hast du den Nachteil daran.
    Bei mir haben immer genau die Beiträge viele Kommentare, die etwas beinhalten, was bekannt ist oder einfach nur (stupide) Unterhaltung bieten. Sinnigere Beiträge (beispielsweise darüber, wie der Staat Geld aus dem Fenster wirft und man ihm zum Sparen zwingen muss) haben viel weniger. Meiner Meinung bekommen die nur welche, weil das was drum herum ist, mehr gefällt, es unterhält und entspannt. Ich nehme einfach mal an, dass die meisten Leute nach einem langen Arbeits- oder Schultag das lieber wollen als weiter über andere Dinge zu grübeln.

    Ich gebe unumwunden zu, dass ich mich besonders freue, wenn ich einen neuen Besucherrekord habe oder die Kommentare nur so einfliegen. Dafür schreibe ich dann auch mal abseits von dem, was nur eine kleine Gruppe interessiert. Die Herausforderung ist, das so umzumünzen, dass es dann doch wieder irgendwas enthält, was man sagen will. Ist natürlich schlecht, wenn man sich dabei nun gar nicht gut fühlt. Aber mal offen zugegeben: Freuen wir uns nicht alle ein bisschen über Aufmerksamkeit? Und sind wir nicht alle mal ein bisschen primitiv, dass wir uns an belanglosen Dingen erfreuen? Also ich schon, darum blogge ich gerne auch mal so etwas.

    Nun sehe ich gerade, dass du gerade einen Beitrag geschrieben hast, dass es gerade wieder flutscht. Na toll, paar Minuten vorher wär nett gewesen, ich führe das jetzt hier aber dennoch zu Ende ;)

    Wenn man mal kein Bock mehr hat, hilft auch oft einfach ein Taoeten-Wechsel: Neues Theme oder eine neue Kategorie, die man konsequent und regelmäßig verfolgt. Oder ne Pause und sich mal richtig auskotzen ^^

    Ich lese dein Blog jedenfalls regelmäßig, auch wenn ich nicht ganz so regelmäßig kommentiere, wie ich es vielleicht eigentlich soll oder besser gesagt will. Wäre auf jeden Fall schade drum, wenn du es dicht machtest.

  9. Vielen Dank für euer aller Anteilnahme. Und danke auch, dass ihr euch alle so eifrig bemüht, mich bei der Stange zu halten – das ehrt unsereins natürlich. Denn Konna hat ja Recht – wir wollen alle unsere Anerkennung!

    Trotzdem kann es sein, dass es nach der Blogpause ein paar Änderungen geben wird. Aber das seht ihr dann ja…

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