Falls nochmal jemand fragen sollte, warum ich gegen „ein bisschen Folter“ bin…

José Poblete nehmen die Folterer den Rollstuhl weg, rufen ihn „Kurzer“, wenn er sich auf seinen Beinstümpfen und Händen über den Boden schleift. Sie zwingen ihn zum Oralsex mit einem Mitgefangenen. Immer wieder veranstalten die Polizisten Boxkämpfe unter den Gefangenen. Wer nicht hart genug zuschlägt, wird verprügelt. […] Einmal lässt Julio Simón eine Pyramide aus nackten Leibern bauen. José Poblete muss nach oben klettern, als Pyramidenspitze.
Alle Gefangenen im Olimpo [ein Foltergefängnis in Buenos Aires zu Zeiten der Militärdiktatur, Anm. d. Admin.] werden gefoltert, immer wieder. Manche werden in siedendes Wasser getaucht, danach, wenn die Haut sich ablöst, in ein Güllefass. Alle werden irgendwann nackt mit Kapuze über dem Kopf auf ein metallenes Bettgestell gefesselt und mit einer elektrischen Rute gequält. Die Folterer verbrennen ihnen mit dem Strom Brustwarzen, Achselhöhlen, Gesicht, Genitalien. Einer Schwangeren stecken sie den Stromstab in den Uterus, um den Fötus zu töten. Danach vergewaltigen sie die junge Frau.
[…]
Simón ist bekannt für seine Abneigung gegen die elektrische Rute. Er zieht es vor, seine Opfer mit einer Eisenkette zu verprügeln. Anschließend reibt er ihnen Salz in die Wunden. Einmal schleift er Gertrudis nackt an den Haaren in den Foltersaal.
[…] Als die Misshandlungen brutaler werden, bringt einer der Polizisten ein Schild in der Folterkammer an; mit der Aufforderung, Blut und Schweiß, Urin und Kot ordentlich aufzuwischen: „Bitte hinterlassen Sie Ihren Arbeitsplatz sauber.“
[…] Nachbarn erinnern sich noch Jahre später an die […] Schreie. Einer beschwert sich, er habe mit geschlossenem Fenster schlafen müssen: „So laut haben diese Scheiß-Subversiven gebrüllt.“

(Aus GEO 09/07, „Das gestohlene Mädchen“, S.72)

Gertrudis Hlaczik

Gertrudis Hlaczik, gestorben mit 21 Jahren

José Poblete

José Poblete, gestorben mit 24 Jahren

Julio Simón

Julio Simón, ihr Peiniger, bei seiner Festnahme

9 Antworten to “Falls nochmal jemand fragen sollte, warum ich gegen „ein bisschen Folter“ bin…”

  1. interessant ist es, dass nachwievor sehr viele für folter wären, wenn man sie darauf anspricht und ihnen konkrete beispiele nennt.
    (meine jetzt hiermit, zB anstatt “befürwortest du folter”, zu fragen was er/sie einem verurteiltem Vergewaltiger antun würde )

  2. Tja, das ist schon alles sehr schwierig. Und es kann niemand mit Sicherheit sagen: Ich werde nicht foltern! Das zeigt ja schon das Experiment das “Das Experiment” zugrunde liegt. Oder dieser Versuch mit den Stromstößen, wo die Leute bedrängt werden, ihren Gegenüber mit Voltstößen zu bestrafen, weil das Experiment sonst nicht durchgeführt werden könnte…

    Aber das Traurige ist, dass die Leute nicht einsehen, dass es trotzdem falsch ist und sich nachher einreden, dass sie im Recht sind. Dieser Frankfurter Polizeipräsident, der diesem kinderentführer “ein bisschen Folter” angedroht hat, hat mein Verständnis – nicht aber dafür, dass es danach nicht sofort den Dienst quittiert hat, weil er sich selber nicht kontrollieren konnte und deswegen für seine Position anscheinend nicht stressresitent genug war.

  3. stimmt.. stressresistent sollten leute die waffen tragen schon sein

  4. Die Pyramide der nackten Leiber hat mich doch sehr an Guantanamo erinnert…

    George W. Bush hat ja in Alberto Gonzales sogar einen Justizminister, der Folter gar nicht generell ablehnt, sondern sogar versucht hat diese juristisch zu legitimieren. Konsequenzen hatte das für ihn keine (Außer, dass er dennoch Minister wurde…)

    Ähnliches wie für Folter gilt leider auch für die Todessstrafe. Wird von viel zu vielen “unter bestimmten Umständen” toleriert, anstatt sie generell abzulehnen.

  5. Ja, das mit den Parallelen zu Guantanamo ist mir auch aufgefallen. Ich wollte das eigentlich auch erst als Aufhänger nehmen, bis ich darauf gekommen bin, dass Folter wahrscheinlich immer gleich ablaufen wird. Denn es gibt einfach gewisse Sachen, die sind universell so demütigend und belastend, dass man als Folterknecht ziemlich schnell darauf kommt. Vergleiche eben die Nacktheit oder auch Gewalt gegen Leute, die nicht sehen können (stellt euch das mal vor – ihr werdet verprügelt, wisst aber nicht, wann ihr wo einen Schlag hinbekommen werdet. Ihr seid nie vorbereitet *schüttel*).

    Und Todesstrafe ist auch so ein Ding. Ich habe das ja auch schon ein paar Mal aufgeführt, warum der Staat nicht töten darf, wenn man keine Wilkür will. Aber es ist eben ein so abstraktes Thema, dass sich die meisten noch nicht einmal auf eine Diskussion einlassen wollen. Oder es kommen Argumente wie “Aber Kinderschänder haben das echt verdient!”. Was will man dagegen sagen ohne später als pädophlienfreundlich dazustehen? So etwas wie universelle Menschenwürde scheinen solche Menschen ja als Handelungsprinzip abzulehnen…

  6. Bezeichnenderweise sind es auch zumeist sich christlich nennende Politiker, die Folter oder Todesstrafe nicht generell ablehnen, ohne dabei an ihre angeblich heiligen Zehn Gebote zu denken.

  7. Joe82er Says:

    Es ist für mich nicht nachvollziehbar wie man sich als Politiker in der heutigen Zeit überhaupt für Folter aussprechen kann und dann Stimmen gewinnt, da muss das Volk doch vollkommen degeneriert sein. Egal was jemand verbrochen hat, man kann niemanden im Namen der Gerechtigkeit foltern. Die Menscheit entwickelt sich einfach nicht weiter, wir haben zwar MP3-Player und Internet in Handys, sind aber teils noch primitiver als Tiere (Hass, Rache, …). Aber naja, meine Vorredner haben ja schon alles erwähnt und ich gebe euch 100% Recht.

  8. also diesen simon hätte ich am liebsten mit seinen eigenen methoden zugrunde gebracht. ihn mal mit sonem eisending auspeitschen und salz in die wunden. mal sehen was er sagen würde. er hatte ja gesagt das er es wieder machen würde, wenn es nochmal an ihm wäre.

  9. @Momo:

    Tja, das ist das Problem – damit machst du dich nicht besser als Julio Simón…

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