Eurotrash und ein bisschen nützliches Allgemeinwissen über Sailor Moon

Dass ich einen teilweise sehr, sagen wir, interessanten Musikgeschmack besitze, solltet ihr langsam mitbekommen haben. Allerdings höre ich nicht nur Prinz Porno, Rembetika, Finnischen Tango, CocoRosie, vietnamnesische Straßenmusiker oder Fresh Dumbledore, ich habe auch ein Geheimnis, das so schrecklich und grausam ist, dass es bis vor Kurzem tief in mir versteckt war. Wer jetzt auf die Titelzeile guckt und denkt: „Oh nein, er findet Sailor Moon gut!“ – ich kann euch beruhigen; irgendwo in mir ist noch ein kleiner Rest Selbstachtung erhalten geblieben.

Nein, es geht um etwas viel besseres: Ich finde Eurodance gut! Wobei ich es liebevoll Eurotrash nenne, weil Entschuldigung, diese Musik ist Popdreck, der sich im Gehirn festsetzt und langsam, aber sicher für ein friedvolles Abgleiten ins Zombietum sorgt. Ich finde auch nicht jeden Mist gut, aber es gibt ausgewählte Lieder aus den frühen 90ern, die ich einfach nur geil finde. Daher rührt wohl auch meine Vorliebe für den Deutz-Fahr-Song und BassHunter. Wobei ich noch einmal betonen möchte: Ich halte dies nicht etwa für hochwertige Musik – es ist nur einfach lustig, sowas zu hören! Das kann man ja nicht häufig genug sagen heutzutage, sonst heißt es am Ende noch, ich würde Captain Jack für einen Musiker halten oder so…

Auf jeden Fall habe ich seit neuestem ein nettes Tool, mit dem man YouTube-Videos in MP3s umwandeln kann. Natürlich würde ich dieses Tool nie einsetzen, das wäre ja illegal. Aber seitdem ich es besitze, bin ich auf mysteriöse Weise in den Besitz von einigen Eurotrash-Liedern gekommen, für die ich nie Geld ausgeben würde – geschweige denn, mich der Gefahr des beim illegalen Datenaustauschs per P2P erwischt zu werden auszusetzen. Und damit ihr auch was davon habt, lege ich euch hier ein paar echte Perlen nahe, denen ihr nur eine Chance geben müsst, damit sie sich in euren Köpfen festsetzen und euer Gehirn langsam aussaugen können.

Als erstes ist da natürlich der Klassiker, „Mr. Vain“ von Culture Beat – unverzichtbar!

Dann sollte hier eigentlich „Temple of Love“ von E-Rotic hin. Davon gibt es allerdings nur ein Video, wie so ein Typ bei diesem seltsamen Tanzspiel 99,57% bei dem Lied erreicht. Echt beeindruckend, denn das ist kein langsamer Walzer, den man da tanzen muss… Da „Fred Come To Bed“ auch nur in einer Live-Version vorhanden war und nicht in dieser seltsamen Comic-Video-Version, erspare ich euch eben ein Wiederhören mit längst verdrängten Hörgenüssen.

Dafür kommt ihr aber um einen modernen Klasiker nicht herum: Kate Ryan mit „Desenchantee“, wahrscheinlich dem einzigen gesellschaftskritischen Eurodance, der jemals geschrieben wurde. Eine Frage bleibt aber: Warum hören gutaussehende Frauen so gerne trashige Elektronik? Ich mein, sie könnten sich doch auch mit Weichspüler-Pop prostituieren, wenn es nur um den Erfolg geht…

Das nächste Lied wäre eins gewesen, mit dem ich euch richtig ärgern wollte, weil es wirklich schlecht ist. Aber zu eurem Glück ist es bei YouTube nicht mehr auffindbar. Ihr wollt wirklich wissen, welches Lied es gewesen wäre? Ihr wollt euch so richtig gruseln? Okay: Mark’Oh mit „Tears Don’t Lie“.

Das nächste Lied kennt dafür jeder – es sei denn, er war in den Neunzigern noch nicht geboren oder lag im Koma. Ich weiß nicht, ob man es noch als Eurodance bezeichnen kann, eigentlich hat es dafür zu harte Beats. Aber ich wüsste auch keine andere Bezeichnung dafür. Vielleicht Technopop? Egal, nur eine einzige Frage: „How Much Is The Fish?“

Gleich hinterher hängen wir dann ein weiteres Lied, dass eigentlich mehr poppiger Techno ist. Aber verdammt, so gut konnten die Neunziger sein: 2 Unlimited und „No Limits“!

Ebenfalls immer wieder gerne gehört: Capella mit „U Got 2 Let The Music“

Das nächste Lied von Eu4ya kannte ich bis vorgestern noch nicht – bzw. wohl nur in der originalen Italopop-Version, da mir das Lied schon bekannt vorkommt. Aber ich finde dieses Fanvideo ziemlich nett, sonst ist das Lied eher 08/15 und auch für meine trash-affinen Ohren nicht das Maß aller Dinge. Es heißt übrigens „Sara perche ti amo“ (was mich unglücklicherweise an ein bestimmtes Mädchen erinnert…)

Nun kommen wir zu meinem absoluten Liebling! Er ist zwar auf Dauer etwas anstrengend, aber trashiger geht es nicht mehr: K2s „Der Berg ruft“. Sagt gegen Video und Lied was ihr wollt, aber wenigstens Frau „I like to shake my tits in public“ hatte ihren Spaß beim Drehen. Apropos: Könnte es sich dabei nicht um die Mutter von Chiara Ohoven handeln? Immerhin hätte sie die Lippen dafür…

Nun habt ihr es endlich geschafft – der Höhepunkt dieser kleinen Rundreise durch die Niederungen des Eurotrashs steht euch bevor. Gegen Magic Vision ist kein Kraut gewachsen, dieses Lied kann nur Leuten, die sich nie den Kopf durchpusten lassen oder keine elektronisch erzeugten Klänge mögen, nicht gefallen. Ein Juwel der Müllkippe – mit einem Titel der es auf den Punkt bringt: „Na na na hey“.

Bevor ich euch jetzt entlasse, darf ich euch natürlich auch den Grund meiner Odyssee nicht vorenthalten. Mein persönliches Ithaca war nämlich ein Lied von X-Perience. Allerdings wusste ich dies nicht, geschweige denn den Titel oder gar den Text. Ich habe also nach einem Lied gesucht, von dem ich nicht mehr den winzigsten Hinweis hatte, der mich auf die richtige Spur bringen konnte. Und nun kommt die Sensation: Ich habe es gefunden! Ich bin nämlich nach zwei Tagen Suche mit verschiedenen Suchparametern im Fundus von YouTube auf „Magic Fields“ gestoßen. Erstens kam mir das Lied bekannt vor, zum Anderen hatte die Sängerin die selbe Stimme wie im von mir gesuchten Song. Und so stieß ich letztendlich auf „A Never Ending Dream“. Ich kann mein Glück immer noch nicht fassen…

Allerdings glaube ich inzwischen, dass ich nur durch das Cover von Cascada wieder auf den Song aufmerksam geworden bin. Darum gibt es hier auch ihre Version. Wobei mir nicht ganz klar ist, warum Eurodancer Eurodancer covern…

So, jetzt kennt ihr mein dunkles Geheimnis und wisst auch, was ich die letzten Tage so gemacht habe. Allerdings könntet ihr euch jetzt fragen: Was hat das mit Sailor Moon zu tun?

Ganz einfach: Weil ich gerade dabei war, habe ich mir dann auch gleich noch das Sailor Moon-Titellied gerippt. Ich weiß zwar überhaupt nicht, was an der Serie toll sein soll – allerdings mag ich Anime generell nicht – aber das Lied fand ich schon immer irgendwie unbeholfen schlecht. Dabei habe ich dann herausgefunden, dass jedes Land sein eigenes Titellied hatte. Im Klartext: Nur in Deutschland gab es dieses wunderschöne trashige Eurodance-Lied. In englischsprachigen Ländern ist es dagegen ein „rockiges“ Lied, in China ein sehr schöner Kanton-Pop-Song (vielleicht ist es auch was anderes – jedenfalls ist es ein chinesischer Popsong). Das japanische Originallied erinnert mich irgendwie an die Titelmelodie von Rüdiger, dem kleinen Vampir (wenn ihr euch an diese Serie noch erinnern könnt…). Ich finde es auch einen netten Zug, dass die Melodie sonst nur von den Schweden übernommen wurde – obwohl ich von denen auch einen Eurodance-Track erwartet hätte. Den Vogel schießt aber eindeutig Frankreich ab: Das dortige Titellied könnte ohne Probleme im Musikantenstadl laufen! Sehr witzig, wenn auch nur kurze Zeit erträglich…

Sailor Moon Theme (Deutsch)

Sailor Moon Theme (Japanisch)

Sailor Moon Theme (Englisch)

Sailor Moon Theme (Chinesisch)

Sailor Moon Theme (Französisch)

Sailor Moon Theme (Schwedisch)

Und für alle Freunde des Exotischen: Die Titelmelodie auf Tagalog!

P.S: Und sollte jetzt jemand sagen, dass ich krank wäre – ihr habt noch nichts von Whorecraft gehört…

5 Antworten to “Eurotrash und ein bisschen nützliches Allgemeinwissen über Sailor Moon”

  1. Lucky#Slevin Says:

    Also, also ich hab mir ja geschworen in meinem Urlaub nicht unnoetige Zeit damit zu verschwenden, bei anderen auf den Blogs zu kommentieren, aber ich wollte mal kurz innehalten und sagen: ACH DU SCHEISSE. Und ich dachte, meine Vorliebe fuer schmalzige Popsongs waere schlimm.. aber BassHunter.. :D Das einzige was ich entschuldigen kann waere Shut Up (and Sleep with Me) von E-Rotic, alter, das war so trashig das hatte schon wieder Stil..

    Oh man.. oh und wie waers mit numa numa? Scheisse wie hiess das Lied noch mal richtig? Ach ja, Dragosta Din Tei oder sowatt… tehehehehe.. oh man ich geh ein..

  2. 1.) Shut Up (And Sleep With Me) war von Sin With Sebastian

    2.) „Dragostea Din Tei“ von O-Zone würde ich nicht als Eurotrash bezeichnen. Das ist eher sowas wie DJ Ötzi. Partymucke eben.

    3.) Natürlich besitze ich beide Lieder!

  3. Jepp, Sin with Sebastian war’s, durfte mir da einiges anhören. Eurodance höre ich auch gerne, aber rein aus Nostalgiegründen. Ich finde das nichtmal lustig, gut sowieso nicht, aber besorgt habe ich mir doch alles.

    Tears don’t lie habe ich damals von meinem Oberschwarm geschenkt bekommen und wird deswegen ewig in Erinnerung bleiben. Alexandra, I still love you :-(

  4. omg!
    respekt dass du dich traust dass -öffentlich- zuzugeben!
    zugegeben, zunächst wollte ich dir ein echt etwas anderes statement dazu geben, aba dann bin i draufkommen dass i schon sämtliche lieder angehört habe.. und zum teil auch noch von anfang bis ende…

  5. Ach, und ein richtig fettes danke für den Tool-Link. Übrigens, der Punk-Roc Remix von “Dein Herz schlägt schneller” (der Song mit dem Schwensen-Kalle) ist derbe geil, aber schwer zu bekommen. Aber das hat sich ja jetzt erledigt :-)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: