MuGo went to Dresden (and even came back!)

Um meine Zeit nicht mit langweiligen Killerspielen oder ähnlichem vergeuden zu müssen, war ich von Mittwoch bis heute morgen unterwegs um den Schnupperstudientag der TU Dresden am gestrigen Donnerstag wahrzunehmen und mich über mein ganz persönliches Freakfach Verkehrsingenieurwesen zu informieren.

Glücklicherweise konnten ich und mein Begleiter (dessen Name nichts zur Sache tut, da ihr ihn eh nicht kennt und der sich für Wasserwirtschaft interessiert hat – keine Angst, nicht alle Oldenburger stehen auf so krazy shit wie meinereiner) bei einer Freundin, die mit uns Abi gemacht hat, schlafen. Dadurch war die Reise finanziell im Rahmen, der ansonsten selbst einem zuhause wohnenden Zivi zu groß geworden wäre – und dessen Spielräume sind sehr anständig, egal was manche Raffkes sagen. Der Arbeit nicht angemessen, aber für das eine oder andere Bierchen reichts…

Um unsere Zivi-Bahncard auszunutzen fuhren wir gemütlich mit der Bahn nach Leipzig, wo wir umsteigen mussten und mein Begleiter zum ersten mal auf dieser Reise wieder sein Gespür für seltsame Kommentare, die man gerade überhaupt nicht erwartet hat, unter Beweis stellte; vor uns lief eine Schwarze, sein – aufrichtig freudig-überraschter – Kommentar: „Ach, ich dachte der Osten wäre eher No-Go-Area für Ausländer!“ Im Nachhinein nur lustig, im ersten Moment war ich aber kurz am Überlegen, wie ich den Verdacht, dass ich ihn kennen könnte, schnell von mir weise. Ich beließ es dann doch bei einem gemurmelten Verweis auf die Tatsache, dass Leipzig nicht die Uckermark ist.

Danach gelangten wir unbeschadet nach Dresden, wo unsere Freundin nicht nur Logis stellte, sondern sogar einen Verkehrswissenschaftler (immerhin selbe Fakultät) aufgetrieben hatte, der mich über die freakigen Seiten meiner eventuellen Mit-Kommiltonen aufklärte (um 5 Uhr morgens aufstehen um dabei zu sein, wenn die neue Straßenbahn bei Bombardier verladen wird! Wer macht denn sowas FREIWILLIG??? Ich hoffe nicht, dass ich das Selbe machen werde…). Trotzdem schien das Studium wohl in Ordnung. Das ist schon einmal ein Pluspunkt! Allerdings war ich ein bisschen irritiert, dass in Dresden mehr Asiaten als Westdeutsche studieren. Für mich war Dresden immer eine DER Studentenstädte (sind ja auch immerhin 10% der Bevölkerung…) – aber anscheinend weiß das bei uns im Westen keiner. Mir soll’s Recht sein, immerhin gibt es so keinen NC für den einzigen deutschen Verkehrsingenieur-Studiengang!

Von der Stadt selber habe ich leider nicht allzuviel gesehen, aber passt schon. Das, was ich gesehen habe, reizt mich jetzt zwar nicht sonderlich, aber die Stadt ist bei weitem nicht so schrecklich wie z.B. Hannover. In anderen Worten: In Dresden kann man es bestimmt ganz gut aushalten. Der einzige Minuspunkt sind die wenigen Radwege – man muss teilweise auf regelmäßig befahrenen Straßen Rad fahren. Da bin ich als Oldenburger natürlich verwöhnt. Aber im Leben heißt es immer auch Kompromisse einzugehen…

Dafür aß ich einen sehr guten Döner (mit Schafskäse; wieso gibt es so was nicht bei Falafel 2000, dem Gammelfleischfachhandel meines Vertrauens?) in einem Paradebeispiel gelungener Integration. Der Betreiber des Asia-Imbisses, indem wir dinnierten, verkaufte neben Tsingtao-Bier und Nudelpfannen eben auch Döner und hatte den schönen Moscheen-Kalender des Großhändlers neben die Theke gehängt – was will das Deutsche Herz mehr? Unser Nationalgericht mit der von uns gewünschten Kulisse zu verkaufen zeugt von Anpassungswillen.

Genug aber des Geschwafels, kommen wir zum Schupperstudium. Mit ca. der Hälfte aller Gymnasiasten Deutschlands drängten wir uns auf den Campus, um Vorlesungen, Seminaren und anderen sonstigen Vorträgen gebannt zu lauschen. Zu meiner Überraschung war das nicht so langweilig wie am Schnupperstudientag in Oldenburg, aber was ist so eine Dorfuni schon gegen die Dresdner TU? Dresden kriegt anscheinend sogar fähige Professoren…

Da ich mir noch nicht 100prozentig sicher war, ob Verkehrsingenieur das richtige für mich ist, wollte ich eigentlich sowohl VIW- als auch Bioveranstaltungen besuchen. Das scheiterte am geringen Interesse von Seiten der Biologen für ihr Studium zu werben; klar, Bio ist eine sichere Bank – irgendwer findet sich immer, der Biologie studiert, weil er zu blöd zum addieren ist (als Bio-LKler kann ich sagen, dass dieses Klischee absolut wahr ist – die meisten Biologen haben keinen Plan von wahrer Naturwissenschaft). Das einzige, was nach dieser Arroganz-Demonstration weiterhin für Bio sprach, war der unschlagbare Frauenanteil.

Allerdings überraschte mich die Verkehrswissenschaftliche Fakultät damit, dass es anscheinend auch Frauen gibt, die Verkehrsingenieur werden wollen! Wer hätte das gedacht? In meiner Vorstellung saßen da nur pickelige Geeks, die auf ihren Stimmbruch warten. Das war aber überhaupt nicht so. Also alles bestens!

Nach Seminaren wie „Bahnübergänge als Teil des Schienennetzes“ (mit Berechnung der Sichtfläche, die um unbeschrankte Bahnübergänge freizuhalten ist!) oder „Anlage von Tank- und Raststellen auf Autobahnen“, einem sehr persönlichen Vortrag über „Innovationen im ÖPNV und Schienenverkehr“ (wir waren immerhin zu viert!) und einem günstigen warmen Baguette zum Mittagessen, war meinen glänzenden Augen anzusehen, dass ich nur noch eins wollte: Verkehrsingenieur werden! Haltet mich für einen Freak, aber ich finde Verkehr – und gerade ÖPNV und Eisenbahn – unglaublich interessant. Und darum werde ich Dipl.-VI, damit ihr da nicht mehr drüber nachdenken müsst – toller Vorschlag, was?

Nachdem wir den Schnupperstudientag also zufriedenstellend abgehakt hatten, wollten ich und mein Begleiter uns wieder auf den Heimweg machen, mit Bahn und allem Schnickschnack, der dazu gehört! Wir hatten auch eine schnieke Verbindung über Berlin und Hamburg. In Berlin zwar nur mit sehr geringer Zeit zum Umsteigen, aber wir sollten es bis 1.27 Uhr oder so zurück nach Oldenburg schaffen. Somit hätte ich heute wieder brav bei der Arbeit erscheinen können. Bis Elsterwerda ging das auch ganz gut, doch leider war dann eine Weiche kaputt (wahrscheinlich sturmbedingt) und so kam der Zug erst ein bisschen später in Berlin an – mit 86 Minuten Verspätung… Einen Anschluss nach Hamburg gab es zwar noch, aber dort fuhr erst um 4 Uhr irgendwann der nächste Zug nach Bremen. Zum Glück hat uns die Bahn dann ohne zu murren ein Hotel für die Nacht spendiert (von wegen böse Bahn, die absichtlich ihre Kunden schlecht behandelt…), das sich noch nicht einmal als Klitsche herausstellte! (Relativ) Ausgeschlafen und mit Frühstück im Bauch konnten wir dann heute unsere Fahrt fortsetzen und sind tatsächlich wieder in der Heimat.

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen…

4 Antworten to “MuGo went to Dresden (and even came back!)”

  1. Freakfach ist schade. Denn in Leipzig gibt es mehr und bessere Club, mehr und hübschere Geisteswissenschaftlerinnen und wenn das noch keiner verstanden haben sollte: Dresden kann man auch mit 80 noch besuchen. (Wenn’s vorher nicht wieder einer kaputt macht).

    Da du armer Zivi bist, in Leipzig kostet die Einzelfahrt im ÖPNV auch nur 1,70 statt 1,80 wie in Dresden. Aber Freakfach, da kann man wohl nix machen. Nahestehende der Kameradschaft sind auch durch ein Freakfach in Dresden hängen geblieben.

  2. Mir ist die Wahl des Studienortes eigentlich relativ egal (obwohl ich es schon angenehm finde, dass ich im Osten studieren kann – schon aus finanzieller Sicht eine bessere Entscheidung als z.B. Frankfurt/Main); aber Leipzig kann nun einmal nicht mit einer Verkehrsfakultät punkten. Macht dennoch nix, mit meinem Semesterticket kann ich ja hinjuckeln und die Geisteswissenschaftlerinnen begutachten. Aus rein wissenschaftlichen Gründen natürlich…

    BTW: Freakfach rult!

  3. Gurkenklaus Says:

    Moin alter MuGo,
    ahh, sie an. Meine guten unqualifizerten Kommentare finden hervorragende verwendung in MuGos Blog :-)

  4. weiblich Says:

    Wahnsinn, jemand der Verkehrsingenieurwesen studieren wird. Mache nächstes Jahr Abi und bin im Wintersemester 08/09 auch mit dabei!

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